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Im Gespräch mit der Matchzeitung erzählt Elias Filet von der Zeit an der Adriaküste, seinem musikalischen Vater und seinen Zielen für die laufende Saison.

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«Die beste Saison meiner Karriere spielen, immer gewinnen, so viele Tore wie möglich erzielen». Dies antwortet Elias Filet auf die Frage, was seine persönlichen und kurzfristigen Ziele beim FC Aarau seien. Eigentlich ganz einfach. Aber so ist es nicht. Seit Mitte Januar ist Elias beim FC Aarau. Aber erst beim 17. Einsatz mit dem FCA erzielte der Stürmer seine beiden ersten Tore – beim 3:1-Sieg in Wil am 1. August. Eine riesige Erleichterung für ihn. Denn in seinen ersten Spielen im Aarauer Dress während der vergangenen Rückrunde wirkte er oft irgendwie verloren, gestresst auch, haderte mit sich und dem Umfeld.

«In Kroatien beim NK Istra hatte ich zuletzt kaum mehr gespielt. Ich musste etwas ändern und kam mit viel Hoffnung im Winter nach Aarau. Aber zuerst bekundete ich Mühe mit dem Spielsystem, weil ich es noch nicht kannte. Zudem war die Konkurrenz im Sturm gross. Ich wollte mich unbedingt beim neuen Verein beweisen, erlitt Rückschläge und setzte mich selbst unter Druck. Das war eine komplizierte Zeit.»

«Ich habe viel gelernt in Sachen Zweikampfverhalten und wie man trotz gegnerischem Druck den Ball verteidigt. Als Stürmer bin ich robuster geworden.»

Elias Filet, über seine Entwicklung

Jetzt, da Aarau mit zwei Spitzen spiele, er mit der Mannschaft die gesamte Vorbereitung gemacht habe und mit dem System vertraut sei, fühle er sich viel besser. Er sei nicht der schnellste Stürmer, sondern sehe seine Stärken im Zweikampf, im Spiel mit dem Rücken zum gegnerischen Tor und im Kopfballspiel. Aber auch mit seiner Spielweise musste er sich in der Schweiz anpassen. «In der ersten kroatischen Liga lassen die Schiedsrichter mehr laufen als hier in der Challenge League», hat er festgestellt. «In Kroatien wird mehr gestossen in den Zweikämpfen und beim Kampf um die gute Position. Hier pfeifen das die Schiedsrichter ab.» Auch damit musste er zuerst klarkommen. Auch wenn die Zeit in Kroatien für Filet alles andere als leicht war, zieht er auch positive Schlüsse. «Ich habe viel gelernt in Sachen Zweikampfverhalten und wie man trotz gegnerischem Druck den Ball verteidigt. Als Stürmer bin ich robuster geworden.»

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Elias Filet bejubelt seinen Doppelpack auf dem Bergholz

Zwischenmenschlich habe es beim FCA von Anfang an geklappt. Mit Mamadou Fofana, Victor Petit und Nassim Zoukit ist zudem die Französisch-Fraktion auf dem Brügglifeld angewachsen. Auch andere Aarauer Spieler, wie Henri Koide, parlieren in der Sprache Molières. Elias Filet hat erst mit 12 Jahren angefangen, Fussball zu spielen, erzählt er. Zuvor hatte er andere Sportarten in der Schule ausprobiert, zum Beispiel Judo oder Leichtathletik. Er stammt aus einer Familie, die nicht unbedingt fussballaffin war. Auch wenn sein Vater Stefan Filet seit dem zehnten Lebensjahr Fan von Paris Saint-Germain ist, wie sein Sohn betont, also noch weit bevor die Kataris den Verein übernommen hatten. «Als Bub erlebte er 1982 den Cupfinal gegen Saint-Etienne. Seither ist er PSG-Fan.»

Der Vater ist Jazz- und Soul-Musiker

Sein Vater ist unter dem Künstlernamen Stefan Filey als Sänger, Pianist und Komponist bekannt. Und er ist in Frankreich, vor allem in seiner Heimatstadt Paris, ziemlich aktiv. Davon zeugen zahlreiche Studioaufnahmen und Live-Auftritte. Stefan Filey, «une voix jazz, soul de 4 octaves» ist unter vielem andern auf YouTube abzurufen. Seine Mutter Laetitia ist als Fotografin tätig. «Sie macht das seit mehr als 30 Jahren», erklärt ihr 23-jähriger Sohn. Zurzeit arbeitet sie für das französische Wirtschaftsmagazin «LSA». Seine um drei Jahre jüngere Schwester Ana schlägt eher den Weg des Vaters ein. Sie studiert Musik.

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Ausgelassene Freude nach dem Sieg in Wil

Elias Filet besuchte bis zu seinem 18. Lebensjahr die Schule und schloss das Gymnasium mit der Matura, dem Baccalauréat, mit Schwerpunkt Sprache und Geschichte ab. In Sachen Fussball war sein erster Verein Paris 13 Atletico, der früher FC Gobelins hiess, bei dem er fünf Jahre blieb. Danach ging es in die Fussball-Akademie nach Sochaux, dem Verein, der mittlerweile nach dem Konkurs in die 5. französische Division zwangsrelegiert wurde.

Jetzt lebt der Mann, der in Paris aufgewachsen ist, zusammen mit seiner Freundin in Niedergösgen. Die ausgebildete Flugbegleiterin unterrichtet zurzeit bei einer Familie in Zürich die Kinder in Französisch. Elias lächelt. «Es ist ruhig in Niedergösgen, es gefällt uns.» Sein Vater hat das Brügglifeld bereits kennengelernt. «Er ist in erster Linie Musiker, aber er liebt auch den Fussball», sagt Elias. Und im September wird er wieder Besuch von seiner Familie bekommen, die von Paris aus genau verfolgt, wie sich ihr Filius mit dem FC Aarau schlägt.

Matchzeitung Nr. 3 (2025/26) lesen

Dieser Artikel ist am 25. August 2025 in der Ausgabe Nr. 3 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Stade Lausanne Ouchy erschienen.

Download: Matchzeitung Nr. 3 (2025/26)

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