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Unser ghanaischer Stürmer Daniel Afriyie hat sich mit vier Treffern und drei Torvorlagen in der Meisterschaft als Neuzugang hervorragend eingeführt.

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Das Brügglifeld wird in neun Tagen 101 Jahre alt. Und immer wieder ist das legendäre Kleinstadion temporäre Heimat von Spielern mit einer bemerkenswerten Biografie. Meist verläuft die Karriere dieser Spieler nicht linear, im Gegenteil: Nach einem fulminanten Start folgen Rückschläge. Das Brügglifeld wird zum Ort, um einen neuen Anlauf zu nehmen.

Zu dieser Kategorie von Spielern gehört Daniel Afriyie. Der schnelle Mann aus Ghana war Captain der U20-Nationalmannschaft, die 2021 den Afrika-Cup gewann. Die beiden Tore zum 2:0-Sieg im Final gegen Uganda erzielte der heutige FCA-Stürmer. Ein Jahr später zählte Afriyie zum WM-Kader von Ghana bei der Weltmeisterschaft in Katar. Zum Einsatz kam er in den drei Gruppenspielen, die alle verloren gingen, nicht. Aber beim 2:0-Sieg im Testspiel vor der WM gegen die Schweiz in Abu Dhabi spielte er während 62 Minuten.

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Daniel Afriyie nach dem Triumph beim Afrika-Cup (U20)

Darauf, erklärt Daniel, hätten sich mehrere Vereine aus der Schweiz gemeldet. Die Wahl fiel auf den FC Zürich. «Ich habe mich bei unserem Torhüter Zigi erkundigt, der in der Schweiz bei St. Gallen spielt. Er hat mir den FC Zürich empfohlen», erzählt Afriyie. Die Mannschaft habe eine starke Nachwuchsabteilung und setzte auf junge Spieler, habe ihm Zigi gesagt.

«Bo war wie ein Bruder zu mir»

Im Januar 2023 wechselte er als 21-Jähriger – mit neun Spielen für die ghanaische A-Nationalmannschaft in der Statistik – auf den Letzigrund, mit einem Dreijahresvertrag. Beim damaligen FCZ-Trainer Bo Henriksen spürte er sofort das Vertrauen. «Bo ist der beste Trainer. Er war so gut zu mir, wie ein Bruder. Er gab mir Vertrauen, liess mich verstehen, dass er an mich glaubt.»

Zwischenzeitlich führte der FCZ unter Henriksen die Tabelle der Super League an und Afriyie kam regelmässig zum Einsatz. Doch dann verliess der Däne den FCZ, da er ein Angebot vom Bundesligisten Mainz 05 erhielt. Danach führte Assistenztrainer Murat Ural das Team. «Auch Murat half mir viel», ergänzt Daniel.

Doch dann änderte sich alles. Es kam ein neuer Trainer, Ricardo Moniz. Und Afriyie wurde zum Bankdrücker, kam nur noch sporadisch zu Kurzeinsätzen. «So ist es im Fussball, das muss man akzeptieren. Es gibt Situationen, in denen man als Spieler in das System passt. Und dann kommt ein Trainer, in dessen Konzept man nicht passt.»

«Das Essen, das Wetter, die Lebensweise, das waren für mich zuerst Herausforderungen, denn von Europa und vor allem von der Schweiz wusste ich nicht viel.»

Daniel Afriyie, über den Kulturschock

«Es war ein Glück, dass ich zu dieser Zeit bereits eine sehr spezielle Frau kennengelernt habe, Mama Fati», erzählt er weiter. Die Frau stammt ebenfalls aus Ghana und ist Pastorin. In Wallisellen hält sie Gottesdienste ab. Während des Engagements beim FCZ wohnte Daniel Afriyie in Kloten, da war es ein «Katzensprung» nach Wallisellen. Aber auch jetzt, da er in Niedergösgen wohnt, fährt er zweimal pro Woche zu Mama Fati. Dort treffen sich Menschen aus verschiedensten Kulturen, nicht nur aus Ghana, erklärt Afriyie. Mama Fati kocht zeitweise auch für ihn, was er sehr schätzt. «Das Essen, das Wetter, die Lebensweise, das waren für mich hier zuerst Herausforderungen», sagt er. «Denn von Europa und vor allem von der Schweiz wusste ich nicht viel.»

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Afriyie jubelt nach seinem Treffer gegen Ouchy

Auch Cheick Condé, damals Mittelfeldspieler beim FCZ, zählt zu Afriyies Bezugspersonen. Der Guineer geriet in die Schlagzeilen, als er sich bei einem Spiel gegen YB weigerte, sich umzuziehen, da er nicht zur Startformation zählte. Mit dieser Aktion provozierte er seinen Abgang. Er verliess Anfang dieses Jahres die Zürcher und zog in die italienische Lagunenstadt zum Venezia FC, der mittlerweile in der Serie B spielt. Auch jetzt ist Daniel Afriyie weiter in Kontakt mit Condé. «Mama Fati und Cheick waren in Zürich meine Familie. Sie halfen mir viel – sehr, sehr viel.»

Zu der Zeit, als er beim FCZ aus den Traktanden gefallen war, traf er sich auch mit FCA-Abwehrturm David Acquah. Sie kannten sich von Zusammenzügen der U23-Nationalmannschaft Ghanas. In Zürich gingen sie jeweils zusammen essen. Da lag es auf der Hand, dass sich die beiden auch über den FCA unterhielten. «David erzählte mir, dass der FC Aarau ein familiärer Verein sei. Es gebe nicht nur eine oder zwei Personen im Verein, die einen unterstützen. Sondern alle Leute, die dort arbeiten.» Und als sich der FC Aarau bei ihm meldete, strebte er mit seinem Berater beim FCZ die Auflösung des Vertrages an.

Die Champions League bleibt sein Traum

Der Wechsel von der Super League in die Challenge League, hat ihm der nicht zu schaffen gemacht? «Manchmal muss man im Leben einen Schritt zurück machen, um danach zwei Schritte nach vorne zu tun.» Er greift nach seinem Handy und auf seinem Display leuchtet das Logo der Champions League auf. «Die Champions League ist mein Traum.» Und so prangt ihm jedes Mal, wenn er zum Handy greift, dieses Logo entgegen. Aber es gelte, räumt er ein, Schritt um Schritt zu machen. Auf diesem Weg sei nun das nächste Ziel, mit dem FC Aarau den Aufstieg zu schaffen. Und er fügt an. «Ich fühle mich sehr wohl hier. Ich spüre das Vertrauen aller Menschen in diesem Verein.»

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Jubel mit Landsmann David Acquah

In Niedergösgen lebt er im selben Wohnblock wie sein Sturmpartner Elias Filet. Sein Landsmann David Acquah ist von Oberentfelden ebenfalls nach Gösgen gezogen. Auch der kurz vor Transferschluss verpflichtete Thomas Chacon wohnt nun im selben Block.

Meister mit dem FC Rahimo in Burkino Faso 2019, Meister mit Hearts of Oak SC in Ghana 2021, Sieger im Afrika-Cup mit Ghanas U20-Auswahl im selben Jahr, WM-Teilnehmer mit Ghana in Katar 2022 – und jetzt mit dem FC Aarau auf dem Brügglifeld. Der Sohn einer Lehrerin aus Kumasi, der zweitgrössten Stadt in Ghana, hat mit 24 Jahren schon einiges erlebt. Er hat zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Dank der modernen Kommunikationsmittel ist er jeden Tag mit seiner Familie im fernen Afrika in Kontakt. Und erzählt vom FC Aarau und seinem neuen Leben auf dem Brügglifeld.

Matchzeitung Nr. 6 (2025/26) lesen

Dieser Artikel ist am 3. Oktober 2025 in der Ausgabe Nr. 6 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Yverdon Sport FC erschienen.

Download: Matchzeitung Nr. 6 (2025/26)

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