«Aarau hat einen guten Deal gemacht»

Vor dem mor­gi­gen Direkt­du­ell spricht Franz Burg­mei­er, aktu­el­ler Sport­chef beim FC Vaduz, über sein Jahr im Brügg­li­feld, sei­nen Buben­traum auf der Insel und die Her­zens­an­ge­le­gen­heit beim heu­ti­gen Arbeit­ge­ber.

Franz Burg­mei­er hat den liech­ten­stei­ni­schen Fuss­ball geprägt wie kaum ein ande­rer. Mit 9 Tref­fern in 112 Spie­len ist er hin­ter Mario Frick zweit­bes­ter Tor­schüt­ze in der Län­­der­­spiel-His­­to­rie des Fürs­ten­tums. 2004 traf er auch beim sen­sa­tio­nel­len 2:2 gegen EM-Fina­­list Por­tu­gal mit Super­star Ronal­do. Beim FC Vaduz ist er Rekord­spie­ler und seit sechs Jah­ren Sport­chef. Ger­ne erin­nert sich der 43-Jäh­ri­­ge auch an die Sai­son 2005/06 zurück, als er beim FC Aar­au über­zeug­te und schliess­lich zum gros­sen FC Basel wech­seln konn­te.

(Hea­der­bild — Quel­le: Yan­nick Zur­flüh)

Inter­view

Das Inter­view führ­te: Mar­cel Peter­mann

Franz, du bist vor 20 Jah­ren als jun­ger, auf­stre­ben­der Spie­ler vom ver­trau­ten FC Vaduz erst­mals ins «Aus­land» zum FC Aar­au gewech­selt. Wie kam es dazu?

Franz Burg­mei­er: Nach­dem der FCA in der Sai­son 2004/05 den Liga­er­halt in der Super League sicher­ge­stellt hat­te, kon­tak­tier­te mich Trai­ner Andy Egli. Mir lief es mit Vaduz sehr gut – fast wären wir direkt auf­ge­stie­gen. Der Anruf erfolg­te vor unse­rem ers­ten Bar­ra­ge­spiel gegen Schaff­hau­sen. Ich hat­te zwar noch einen lau­fen­den Ver­trag, war aber Feu­er und Flam­me für die­se neue Her­aus­for­de­rung. Glück­li­cher­wei­se leg­te mir mein Ver­ein, mit dem ich vier Jah­re in der Chall­enge League gespielt hat­te, kei­ne Stei­ne in den Weg. Das hät­te viel­leicht anders aus­ge­se­hen, wenn wir in der Bar­ra­ge nicht geschei­tert wären.

In Aar­au hast du eine tur­bu­len­te Sai­son mit zwei Trai­ner­wech­seln erlebt. Was sind dei­ne Erin­ne­run­gen dar­an?

Franz Burg­mei­er: Der Start war denk­bar schwie­rig. Bereits nach dem zwei­ten Spiel for­der­ten die Fans die Ent­las­sung von Egli, und die Club­füh­rung stell­te ihm ein Ulti­ma­tum. Bis zu sei­ner Abset­zung vor der Win­ter­pau­se hat­te mich der Trai­ner sehr geför­dert, im lin­ken Mit­tel­feld war ich gesetzt. Sein Ver­trau­en konn­te ich mit guten Leis­tun­gen und vie­len Assists recht­fer­ti­gen. Unter Nach­fol­ger Alain Gei­ger sass ich zwi­schen­zeit­lich auf der Bank, konn­te mich aber rasch wie­der ins Team zurück­kämp­fen. Es war eine unru­hi­ge Spiel­zeit mit dem dro­hen­den Abstieg vor Augen. Unter «Feu­er­wehr­mann» Urs Schö­nen­ber­ger, der uns mit sei­nem Enga­ge­ment drei Run­den vor Schluss neue Ener­gie gab, glück­te dann der Liga­er­halt, den wir nach dem Punkt­ge­winn gegen GC im Zür­cher Hard­turm und der Rück­kehr nach Aar­au als die «Unab­steig­ba­ren» zusam­men mit unse­ren Fans fei­er­ten.

Trotz die­sen Schwie­rig­kei­ten durf­test du dich per­sön­lich als Gewin­ner der Sai­son füh­len.

Franz Burg­mei­er: Ja, mir lief es sehr gut, viel­leicht habe ich in Aar­au den bes­ten Fuss­ball mei­ner Kar­rie­re gezeigt. Ich fühl­te mich hier auch sehr wohl, hat­te am Gön­hard­weg, fünf Minu­ten vom Brügg­li­feld ent­fernt, mei­ne ers­te eige­ne Woh­nung und ver­brach­te viel Frei­zeit mit mei­nen Team­kol­le­gen Sven Christ und Manu­el Schen­ker.

Burg­mei­er im FCA-Tri­­kot gegen den spä­te­ren Aar­au­er Kim Jag­gy (GC)

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Das Inter­view führ­te: Mar­cel Peter­mann

Du hät­test noch ein Jahr Ver­trag gehabt in Aar­au, bist dann aber vom FC Basel abge­wor­ben wor­den.

Franz Burg­mei­er: Die­ses Ange­bot des FC Basel unter­strich, dass ich die Platt­form, die mir der FCA gebo­ten hat­te, nut­zen konn­te. Ich den­ke, die Aar­au­er haben hier einen guten Deal gemacht. Einer­seits gab es eine Ablö­se­sum­me, zum ande­ren wech­sel­ten im Gegen­zug die Bas­ler Dja­mel Mes­bah und Samue­le Prei­sig aufs Brügg­li­feld. Mes­bah spiel­te ein paar Jah­re spä­ter in Ita­li­ens Serie A und wur­de alge­ri­scher Natio­nal­spie­ler, wäh­rend ich an den FC Thun aus­ge­lie­hen wur­de…

Wie waren die andert­halb Sai­sons beim gros­sen FCB?

Franz Burg­mei­er: Es war eine coo­le Zeit, aber der Kon­kur­renz­kampf auf mei­ner Posi­ti­on war enorm mit Spie­lern wie Scott Chip­per­field, Mile Ster­jov­ski und spä­ter David Degen. Trai­ner Chris­ti­an Gross hat­te sei­nen Stamm, an dem er nur sel­ten etwas ver­än­der­te. Immer­hin kam ich zu 35 Ein­sät­zen. Im Cup-Hal­b­­fi­nal 2007 gegen Wil spiel­te ich über 90 Minu­ten und konn­te ein Tor erzie­len. Umso bit­te­rer war es dann, im Final nicht ein­mal im Auf­ge­bot zu ste­hen. Immer­hin habe ich nun auch einen Schwei­zer Cup­sieg im Pal­ma­res. Im dar­auf­fol­gen­den Jahr wur­de der FCB Meis­ter, ich spiel­te die Rück­run­de jedoch als Leih­spie­ler in Thun. Ich wur­de an die Meis­ter­fei­er ein­ge­la­den. Aber da wir gera­de mit den Thu­nern in die Chall­enge League abge­stie­gen waren, fand ich es unpas­send, auf dem Bar­füs­ser­platz fei­ern zu gehen.

Mit dem Wech­sel nach Eng­land ist ein Buben­traum von dir in Erfül­lung gegan­gen, auch wenn es «nur» der FC Dar­ling­ton aus der viert­höchs­ten Liga war.

Franz Burg­mei­er: Genau. Die Geschich­te, wie es dazu kam, war sehr spe­zi­ell. Der Enkel des Prä­si­den­ten von Dar­ling­ton hat­te 2003 ein Spiel zwi­schen Eng­land und Liech­ten­stein gese­hen und war fort­an Fan unse­rer Natio­nal­mann­schaft. Als die­ser Max fünf Jah­re spä­ter mit­be­kam, dass mein Ver­trag in Basel auf­ge­löst wor­den war, führ­te dies dazu, dass der liech­ten­stei­ni­sche Ver­band ein Mail vom Ver­ein erhielt, das an mich wei­ter­ge­lei­tet wur­de. So kam der Wech­sel zustan­de. Die Rah­men­be­din­gun­gen dort waren sehr pro­fes­sio­nell und wir hat­ten extrem vie­le Spie­le. Ich erleb­te Fuss­ball pur. Für den Club war es aus­ser­ge­wöhn­lich, mit mir einen Natio­nal­spie­ler in sei­nen Rei­hen zu haben, den er immer wie­der für die Län­der­spie­le abstel­len muss­te. Die­ses Jahr in Eng­land war das gröss­te Erleb­nis mei­ner Kar­rie­re, an das ich sehr ger­ne zurück­den­ke.

Cap­ta­ins unter sich — mit San­dro Bur­ki vor einem Duell im Brügg­li­feld

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Das Inter­view führ­te: Mar­cel Peter­mann

Inzwi­schen bist du seit 16 Jah­ren wie­der beim FC Vaduz tätig, wo du dei­ne Spie­ler­kar­rie­re been­det hast und seit 2019 als Sport­chef tätig bist. Was bedeu­tet dir die­ser Ver­ein?

Franz Burg­mei­er: Für mich ist es mehr als ein Ver­ein und ein Arbeit­ge­ber – es ist eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Hier konn­te ich mei­ne ers­ten Schrit­te im Pro­fi­fuss­ball machen und bestritt 372 Spie­le für den FCV, was Ver­eins­re­kord bedeu­tet. Auch bin ich dank­bar, dass ich die Chan­ce erhal­ten habe, das Amt des Sport­chefs zu über­neh­men.

Wie der FC Aar­au ist auch Vaduz sehr erfolg­reich in die neue Sai­son gestar­tet. Was macht euch der­zeit so stark?

Franz Burg­mei­er: Es ist aus­ser­ge­wöhn­lich für uns, dass wir so gut aus den Start­lö­chern gekom­men sind. Als Liech­ten­stei­ner Cup­sie­ger sind wir Anfang Sai­son jeweils in der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Con­fe­rence League enga­giert. Dies hat uns frü­her womög­lich jeweils abge­lenkt, die­ses Jahr gab uns der Erfolg in der ers­ten Euro­­pa­­cup-Run­­de zusätz­li­chen Auf­trieb. Wir sind defi­ni­tiv wei­ter und rei­fer als im Vor­jahr. Die Arbeit von Trai­ner Marc Schnei­der und sei­nem Staff zahlt sich nun immer mehr aus. Auch sind uns mit Spie­lern wie Luca Mack, Mar­cel Mons­ber­ger und Ste­phan Sei­ler gute Trans­fers gelun­gen. Wir haben tech­nisch gute Fuss­bal­ler und wol­len domi­nant auf­tre­ten. Eine Stamm­elf hat sich bereits her­aus­kris­tal­li­siert und die Auto­ma­tis­men grei­fen immer bes­ser. Eine Stär­ke von uns sind sicher auch die Stan­dard­si­tua­tio­nen, die schon zu eini­gen Toren in die­ser Sai­son geführt haben.

Im letz­ten Spiel die­sen Früh­ling zwi­schen den heu­ti­gen Wider­sa­chern waren vie­le Emo­tio­nen und Schar­müt­zel mit dabei. Erle­ben wir heu­te wie­der­um ein hit­zi­ges Duell?

Franz Burg­mei­er: Bei Spie­len im Brügg­li­feld sind im­mer vie­le Emo­tio­nen im Spiel. Letz­tes Mal spitz­te sich halt noch alles zu durch unse­ren spä­ten Aus­gleich. Pro­vo­ka­tio­nen gab es aber beid­seits. Von unse­rer Sei­te ist da nichts hän­gen­ge­blie­ben. Wir freu­en uns auf einen attrak­ti­ven Spit­zen­kampf vor hof­fent­lich gros­ser Kulis­se.

Down­load: Match­zei­tung Nr. 4 (2025/26)

Die­ser Arti­kel ist am 13. Sep­tem­ber 2025 in der Aus­ga­be Nr. 4 (Sai­son 2025/26) der Match­zei­tung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschie­nen.

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