Ein unverzichtbarer Spieler werden

Der 20-jäh­ri­­ge Leon Fro­kaj wech­sel­te auf die­se Sai­son vom Nach­wuchs des FC Basel aufs Brügg­li­feld und will sich als tech­nisch ver­sier­ter Mit­tel­feld­spie­ler mit star­ken Leis­tun­gen auf­drän­gen.

Es gibt Fuss­bal­ler, bei denen es nach har­ter Arbeit aus­sieht, wenn sie am Ball sind. Und es gibt jene, bei denen alles spie­le­risch und leicht wirkt. Bei Leon Fro­kaj kom­men Lieb­ha­ber des «schö­nen», gepfleg­ten Fuss­balls auf ihre Kos­ten. Man sieht ihm ein­fach ger­ne zu, wenn er kickt. Sei­ne Ball­be­hand­lung und Krea­ti­vi­tät ste­chen im manch­mal eher grau­en Chal­l­en­ge-League-All­­tag her­aus. Ein Typ Stras­sen­ki­cker, wie es sie nur noch weni­ge gibt.

«In unse­rer Fami­lie wur­de immer viel hin­ter dem Haus Fuss­ball gespielt», bestä­tigt Leon. Der Zusam­men­halt der Fami­lie ist ohne­hin sehr aus­ge­prägt. So woh­nen nebst ihm, sei­nen Eltern und dem jün­ge­ren Bru­der noch wei­te­re Ver­wand­te in der glei­chen Lie­gen­schaft sowie in unmit­tel­ba­rer Umge­bung. Wenn es das Wet­ter zulässt, wird oft draus­sen gekickt. Auch Tisch­­ten­­nis-Duel­­le sind beliebt bei Fami­lie Fro­kaj.

Leon Fro­kaj im Cup-Spiel gegen Domi­nik Pech (YB)

Bereits mit vier Jah­ren schloss sich Leon dem FC Wol­husen an, drei Jah­re spä­ter konn­te er vom Ent­le­bu­cher Ver­ein zum FC Luzern wech­seln. Sein Vater war stets dabei, fuhr ihn in die Trai­nings und spä­ter auch in die Sport­schu­le nach Kri­ens. Die­se been­de­te das jun­ge Talent aller­dings nicht. Denn mit 14 Jah­ren ergab sich die Mög­lich­keit, beim «gros­sen» FC Basel den nächs­ten Schritt zu machen. In Basel absol­vier­te er das neun­te Schul­jahr und besuch­te anschlies­send eine an den Spit­zen­sport ange­pass­te Wirt­schafts­mit­tel­schu­le.

«Ich habe mich in Basel gut ent­wi­ckelt und lern­te auf eige­nen Füs­sen zu ste­hen. Ohne­hin lässt sich nie vor­aus­se­hen, ob ein ande­rer Weg ziel­füh­ren­der gewe­sen wäre.»
— Leon Fro­kaj, über sei­ne Zeit in Basel

Am Rhein­knie leb­te Leon im Wohn­haus des FC Basel; in den letz­ten bei­den Jah­ren mit eige­ner Woh­nung, die er mit sei­nem dama­li­gen Team­kol­le­gen Leon Avdul­la­hu teil­te. Die­ser ist bekannt­lich inzwi­schen in der 1. Bun­des­li­ga bei der TSG Hof­fen­heim unter Ver­trag. «Alles war sehr gut orga­ni­siert, es fehl­te uns an nichts. Das Leben in der eige­nen Woh­nung ver­half zur Selbst­stän­dig­keit, wir muss­ten sel­ber put­zen. Im Appar­te­ment war ich aber vor­wie­gend allein, da mein Wohn­ge­fähr­te wenn immer mög­lich nach Hau­se fuhr.»

Ange­sichts der vie­len Talen­te, die der FC Luzern in den letz­ten Jah­ren her­aus­brach­te: War es nach­träg­lich gese­hen ein Feh­ler, zum FCB zu wech­seln? Leon Fro­kaj ver­neint: «Natür­lich habe ich mir die­se Gedan­ken auch gemacht. Aber ich bereue nichts, ich habe mich in Basel gut ent­wi­ckelt und lern­te auf eige­nen Füs­sen zu ste­hen. Ohne­hin lässt sich nie vor­aus­se­hen, ob ein ande­rer Weg ziel­füh­ren­der gewe­sen wäre.»

Vom Aar­au­er Plan über­zeugt wor­den

Als sich für Leon die­sen Som­mer ein Weg­gang von Basels U21 anbahn­te, war auch eine Rück­kehr zum FCL ein The­ma. Beim Team von Mario Frick war er im Pro­be­trai­ning. «Von mei­nem Bera­ter erfuhr ich schliess­lich, dass Els­ad Zver­o­tic und Bru­nel­lo Iaco­pet­ta mich seit einem Jahr auf dem Radar hat­ten. In einem gemein­sa­men Gespräch zeig­ten sie mir auf, wel­chen Plan sie mit mir beim FC Aar­au haben. Das hat mich über­zeugt.»

Sich an die neue Liga gewöh­nen, Spiel­mi­nu­ten zu sam­meln – das stand für Leon zunächst im Vor­der­grund. «Bis jetzt ist es sehr gut gelau­fen. Ich kom­me fast immer zum Ein­satz und kämp­fe um jede Minu­te. Es liegt an mir, zu einem Spie­ler zu wer­den, auf den der Trai­ner nicht mehr ver­zich­ten kann. Ich will zei­gen, dass ich in die Start­elf gehö­re», gibt er sich kämp­fe­risch.

Gemein­sa­me Freu­de mit Vic­tor Petit

Unter Druck set­zen lässt er sich aber nicht. Und ner­vös wird er auch nicht, wenn das Sta­di­on voll ist. «Wenn ich auf dem Platz ste­he, bin ich nur auf das Spiel und den Ball fokus­siert. Und da will ich mei­ne Qua­li­tä­ten unter Beweis stel­len.» Zu sei­nen Stär­ken zählt er sei­ne Abschluss­stär­ke, das Eins-gegen-Eins, das Umschalt­spiel und sei­ne Spiel­in­tel­li­genz. «Ver­bes­sern muss ich mich im Defen­siv­ver­hal­ten und auch im Kopf­ball­spiel», fügt er an.

«Das Gefühl lässt sich gar nicht rich­tig beschrei­ben, für die­ses Land zu kämp­fen. Der Ver­band war immer für mich da – vor allem, als ich beim FC Basel eine schwie­ri­ge Zeit hat­te. Dafür bin ich sehr dank­bar.»
— Leon Fro­kaj, über den Koso­vo

Zum Ein­satz kommt er seit einem Jahr auch in der U21-Natio­nal­­man­n­­schaft des Koso­vo. In die­sem Herbst glänz­te er dabei mit ins­ge­samt drei Tref­fern. Ein Strah­len huscht über sein Gesicht auf die Fra­ge, was es ihm bedeu­te, für den Koso­vo auf­lau­fen zu dür­fen: «Das Gefühl lässt sich gar nicht rich­tig beschrei­ben, für die­ses Land zu kämp­fen. Der Ver­band war immer für mich da – vor allem, als ich beim FC Basel eine schwie­ri­ge Zeit hat­te. Dafür bin ich sehr dank­bar.» Nicht spur­los an ihm vor­bei geht der gan­ze Rei­se­stress für die­se Län­der­spie­le. «Beim letz­ten Zusam­men­zug reis­ten wir von Zypern, wo es 30 Grad heiss war, nach Finn­land, wo Minus­tem­pe­ra­tu­ren herrsch­ten. Für den Kör­per und den Kopf ist das schon anstren­gend. Aber das gehört halt auch zu den Her­aus­for­de­run­gen, die es zu meis­tern gilt», sagt der 20-Jäh­ri­­ge abge­klärt.

«Ich schät­ze die­se Offen­heit sehr»

In zwei FCA-Spie­­len nach Län­der­spiel­pau­sen kam er jeweils nicht zum Ein­satz. «Der Trai­ner erklär­te mir in einem Gespräch, dass dies kei­ne Bestra­fung sein sol­le, aber er wis­se halt jeweils nicht, wie ich wäh­rend die­ser Zeit trai­niert habe und wie es mir gehe. Er attes­tier­te mir aber, dass ich auf einem guten Weg sei und mei­ne Chan­cen erhal­ten wer­de. Ich schät­ze die­se Offen­heit sehr.»

Auch am letz­ten Sonn­tag ver­zich­te­te Iaco­pet­ta auf eine Ein­wechs­lung Fro­ka­js. «Bei mei­nem Star­t­elf-Ein­­satz gegen Sion drei Tage vor­her hät­te ich ger­ne wie­der gezeigt, was ich drauf habe, wie beim letz­ten Cup­spiel gegen die Young Boys. Lei­der schwäch­te mich in die­sen Tagen eine Erkäl­tung, sodass ich nicht wie gewünscht auf Tou­ren kam. Gegen Yver­don wäre ich aber für einen Teil­ein­satz bereit gewe­sen, wenn es die Situa­ti­on erfor­dert hät­te.» Das Team habe ein super Spiel gemacht gegen den Super-League-Abstei­­ger. «Nun wol­len wir die­se Leis­tung gegen Carouge unbe­dingt bestä­ti­gen, um dann mit brei­ter Brust nach Vaduz zu rei­sen», freut sich Leon auf die letz­ten bei­den Spie­le die­ses Jah­res.

Leon Fro­kaj im Duell mit Fabio Saiz (Xamax)

Beim FC Aar­au fühlt er sich wohl. «Ich habe bei den Jun­gen im Team rasch Anschluss gefun­den. Aber ich ver­ste­he mich mit allen gut. Wir sind wie eine Fami­lie», sagt der Ten­­nis-Fan, der ins­be­son­de­re die Par­tien der bei­den Super­stars Jan­nik Sin­ner und Car­los Alca­raz ver­folgt.

Und was sind die kurz- und mit­tel­fris­ti­gen Zie­le des Leon Fro­kaj? «Als Team steht natür­lich der Auf­stieg in die Super League über allem. Per­sön­lich möch­te ich wie erwähnt ein für den Trai­ner unver­zicht­ba­rer Spie­ler wer­den. Ein Ziel ist sicher auch, einst für die A‑Nationalmannschaft des Koso­vo auf­lau­fen zu dür­fen. Und wie für vie­le ande­re Spie­ler wäre ein­mal ein Trans­fer in eine der Top-5-Ligen ein Traum.»

Match­zei­tung Nr. 11 (2025/26) lesen

Die­ser Arti­kel ist am 12. Dezem­ber 2025 in der Aus­ga­be Nr. 11 (Sai­son 2025/26) der Match­zei­tung HEIMSPIEL gegen den Etoi­le Carouge FC erschie­nen.

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