Mit seinem Vornamen sprechen ihn die wenigsten an. «Ich bin praktisch für alle einfach der Vladi», lacht Shkelqim. In der Familie nennen sie ihn «Qimi». Auf Deutsch übersetzt bedeutet Shkelqim «der Leuchtende». Durchaus passend also, überstrahlt der Stürmer momentan doch die ohnehin erfolgreiche Aarauer Offensivabteilung mit seinen Abschlussqualitäten. Zwei Tore im letzten Heimspiel gegen den FC Rapperswil-Jona, gefolgt vom nächsten «Doppelpack» vor Wochenfrist in Genf gegen Etoile Carouge.
Die Vorbereitung auf den zweiten Teil dieser Saison hatte Vladi noch mit dem FC St. Gallen bestritten, wo der Leihspieler des FC Lugano aber nicht glücklich wurde. «Ich hatte mir mehr von diesem Wechsel im letzten Sommer erhofft. Doch meine Sturmkollegen trafen regelmässig, was es für mich nicht einfacher machte. Trotzdem hätte ich mehr Chancen verdient», sagt er rückblickend auf sein Engagement in der Ostschweiz.
«Für mich war es wichtig, zu einem Team zu wechseln, bei dem ich Aussicht auf viel Spielzeit habe, aber auch zu einem Verein, der mich und meine Qualitäten schätzt.»
Zusammen mit seinem Berater Baykal Bellusci (24 Einsätze für den FC Aarau in der Saison 2009/10), der Vladi bereits seit neun Jahren unterstützt, suchte er für die Rückrunde nach einer neuen Lösung. «Für mich war es wichtig, zu einem Team zu wechseln, bei dem ich Aussicht auf viel Spielzeit habe, aber auch zu einem Verein, der mich und meine Qualitäten schätzt. Und ein Trainer, der mich will. Das habe ich hier gespürt. Ich wurde warm empfangen und schnell aufgenommen. Geholfen hat es sicher auch, dass ich viele Leute aus der Mannschaft und dem Umfeld noch von früher kannte», sagt der 25-Jährige.
Ebenfalls als Wintertransfer, im Frühjahr 2022, war Vladi ein erstes Mal vom FC Aarau verpflichtet worden. Ausgebildet beim BSC Young Boys und mit einer halben Saison Challenge-League-Erfahrung bei Yverdon, weckte dieser Zuzug damals keine allzu grossen Erwartungen. Doch auch vor vier Jahren konnte er sich rasch in Szene setzen. Bereits beim ersten Startelfeinsatz gehörte er zu den Torschützen (5:2-Sieg auswärts gegen Ouchy), und im darauffolgenden Heimspiel begeisterte er das Aarauer Publikum mit einem spektakulären Treffer beim 2:0-Sieg gegen den FC Thun. «An diesen Volleyschuss aus rund 20 Metern kann ich mich noch gut erinnern», blickt der gebürtige Thuner auf dieses Tor gegen seinen Jugendverein, den er im Alter von 14 Jahren in Richtung Bundesstadt verliess, zurück.

Vladi lief bereits von 2022 bis 2023 im FCA-Trikot auf
Im zehnten Einsatz für den FCA, einem 4:3-Sieg in Wil, erzielte er zwar seinen fünften Treffer, zog sich im Spiel aber auch einen Oberschenkelbündelriss zu und fiel für den Rest der Saison aus. «In dieser Rehazeit legte ich den Fokus auch auf die Stärkung meines Oberkörpers und konnte mir hier eine gute Basis erarbeiten», erinnert er sich an jene Zwangspause. Die Fortschritte waren offensichtlich: Der vorhin schon robuste Stürmer hatte mit seiner Physis ein neues Level erreicht und legte einen persönlichen Traumstart in die Saison 2022/23 hin: Acht Treffer erzielte er in den ersten sechs Meisterschaftsrunden, ehe ihn eine Knieverletzung, zugezogen beim Cup-Heimspiel gegen den FC Basel, erneut für längere Zeit ausbremste.
Internationale Erfahrungen mit dem FC Lugano
«Gesundheitliche Rückschläge haben mir in meiner Karriere schon mehrere Steine in den Weg gelegt. Doch ich bin ihnen immer mit einem positiven Mindset begegnet und gestärkt zurückgekommen», sagt Vladi. Zwei Tage nach jenem Match gegen den FCB hätte er erstmals für das Nationalteam des Kosovos, dem Land, in dem seine Eltern aufgewachsen sind, einrücken können. «Auch in der Zeit beim FC Lugano konnte ich zweimal einem Aufgebot nicht Folge leisten, da ich mit leichten Verletzungen zu kämpfen hatte und in Rücksprache mit dem Verein jeweils zu Hause blieb.» So steht eine Länderspielpremiere noch immer aus. «Wie ich vernommen habe, werden von Verbandsseite weiterhin Informationen über mich eingeholt. Ich bin also noch nicht vergessen gegangen», zeigt sich Vladi diesbezüglich optimistisch.
Das zweite erfolgreiche Comeback beim FC Aarau führte auch zu Angeboten aus dem Ausland, doch Vladi entschied sich im Sommer 2023, für fünf Jahre beim FC Lugano zu unterschreiben, wobei die Aarauer mit einer stattlichen Transfersumme von diesem Wechsel profitieren konnten. Internationale Erfahrungen konnte er mit seinem neuen Team in den Europacup-Wettbewerben sammeln, wo die Tessiner durchaus erfolgreich auftraten. Auch Vladi wusste dort auf sich aufmerksam zu machen, unter anderem mit Toren gegen Besiktas Istanbul (zweimal) und den FC Brügge.

Jubel über seinen zweiten Treffer beim 3:0-Erfolg gegen Etoile Carouge
Erinnerungen an bisherige persönliche Erfolge von Shkelqim sind im Büro von dessen älteren Bruder Armend zu betrachten, der vom Vater die Geschäftsleitung eines Maler- und Gipsergeschäfts in Bern übernommen hat. «Dort befinden sich verschiedene Trikots von bedeutenden Spielen, aber auch zum Beispiel der Hattrick-Ball von meinen drei Toren für Aarau gegen Bellinzona, die Auszeichnung der SFL in die ‹Golden Eleven› der Saison 2022/23 oder die Trophäe, die ich für die Wahl zum besten FCA-Spieler jener Spielzeit erhalten habe.»
Der Berner Oberländer, der als Junior bei den Thuner Vereinen FC Rot-Schwarz und FC Dürrenast die Grundlagen des Fussballs erlernt hat, gehörte damals zu den Kleinsten seiner Teams («ich war klein und wirblig»). Einen Berufsabschluss machte er als Kaufmännischer Angestellter, indem er eine Sporthandelsschule besuchte und Praktika in verschiedenen Betrieben machte. Welchen beruflichen Weg er eingeschlagen hätte, wenn er nicht Profifussballer geworden wäre, weiss er nicht. «Ich sähe mich weder im Büro noch auf der Baustelle.»
Tor gegen den FC Wil als «Dosenöffner»
Seit seinem neuerlichen Wechsel zum FC Aarau wohnt Vladi in Oberentfelden, fährt aber an freien Wochenenden in seine Thuner Heimat, um gemütlich mit Freunden oder Familienangehörigen zu «käfele», oder er nimmt ein Racket in die Hand und duelliert sich in einer Partie in der Trendsportart Padel.
«Das war ein Befreiungsschlag für mich nach diesem schwierigen halben Jahr in St. Gallen. Da habe ich gemerkt: Ich bin wieder da!»
Beim FC Aarau versteht er sich besonders gut mit Valon Fazliu, mit dem er schon in seiner ersten Zeit im Brügglifeld zusammengespielt hat. Als «Dosenöffner» bezeichnet er das Premierentor nach seiner Rückkehr im Heimspiel gegen den FC Wil. «Das war ein Befreiungsschlag für mich nach diesem schwierigen halben Jahr in St. Gallen. Da habe ich gemerkt: Ich bin wieder da!» Schaut man auf transfermarkt.ch nach, welches der stärkere Fuss Vladis ist, steht dort «rechts» geschrieben. Drei der ersten vier Tore in dieser Rückrunde erzielte er jedoch mit links. «Ich trainiere Abschlüsse mit beiden Füssen intensiv. Daher kann man mich schon als beidfüssig bezeichnen», äussert sich der Spieler mit der Nummer 11 zu einer seiner Stärken.
Diese Qualitäten will Shkelqim Vladi natürlich auch im heutigen Spitzenkampf gegen den FC Vaduz unter Beweis stellen: «Es wird sicher ein interessantes Spiel. Unser Ziel sind ganz klar die drei Punkte, um dorthin zu kommen, wo wir hingehören.»
Matchzeitung Nr. 15 (2025/26) lesen
Dieser Artikel ist am 13. März 2026 in der Ausgabe Nr. 15 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschienen.
