Das Vertrauen mit Toren zurückzahlen

Unser Stür­mer Shkel­qim Vla­di glänzt auch nach sei­ner Rück­kehr aufs Brügg­li­feld als Tor­schüt­ze vom Dienst — mit 25 Tref­fern in 43 Par­tien hat er die bes­te Tor­quo­te aller FCA-Spie­­ler der letz­ten 45 Jah­re (0,58 pro Match).

Mit sei­nem Vor­na­men spre­chen ihn die wenigs­ten an. «Ich bin prak­tisch für alle ein­fach der Vla­di», lacht Shkel­qim. In der Fami­lie nen­nen sie ihn «Qimi». Auf Deutsch über­setzt bedeu­tet Shkel­qim «der Leuch­ten­de». Durch­aus pas­send also, über­strahlt der Stür­mer momen­tan doch die ohne­hin erfolg­rei­che Aar­au­er Offen­siv­ab­tei­lung mit sei­nen Abschluss­qua­li­tä­ten. Zwei Tore im letz­ten Heim­spiel gegen den FC Rap­­per­s­­wil-Jona, gefolgt vom nächs­ten «Dop­pel­pack» vor Wochen­frist in Genf gegen Etoi­le Carouge.

Die Vor­be­rei­tung auf den zwei­ten Teil die­ser Sai­son hat­te Vla­di noch mit dem FC St. Gal­len bestrit­ten, wo der Leih­spie­ler des FC Luga­no aber nicht glück­lich wur­de. «Ich hat­te mir mehr von die­sem Wech­sel im letz­ten Som­mer erhofft. Doch mei­ne Sturm­kol­le­gen tra­fen regel­mäs­sig, was es für mich nicht ein­fa­cher mach­te. Trotz­dem hät­te ich mehr Chan­cen ver­dient», sagt er rück­bli­ckend auf sein Enga­ge­ment in der Ost­schweiz.

«Für mich war es wich­tig, zu einem Team zu wech­seln, bei dem ich Aus­sicht auf viel Spiel­zeit habe, aber auch zu einem Ver­ein, der mich und mei­ne Qua­li­tä­ten schätzt.»
— Shkel­qim Vla­di, über sei­ne Rück­kehr zum FC Aar­au

Zusam­men mit sei­nem Bera­ter Bay­kal Bel­lu­sci (24 Ein­sät­ze für den FC Aar­au in der Sai­son 2009/10), der Vla­di bereits seit neun Jah­ren unter­stützt, such­te er für die Rück­run­de nach einer neu­en Lösung. «Für mich war es wich­tig, zu einem Team zu wech­seln, bei dem ich Aus­sicht auf viel Spiel­zeit habe, aber auch zu einem Ver­ein, der mich und mei­ne Qua­li­tä­ten schätzt. Und ein Trai­ner, der mich will. Das habe ich hier gespürt. Ich wur­de warm emp­fan­gen und schnell auf­ge­nom­men. Gehol­fen hat es sicher auch, dass ich vie­le Leu­te aus der Mann­schaft und dem Umfeld noch von frü­her kann­te», sagt der 25-Jäh­ri­­ge.

Eben­falls als Win­ter­trans­fer, im Früh­jahr 2022, war Vla­di ein ers­tes Mal vom FC Aar­au ver­pflich­tet wor­den. Aus­ge­bil­det beim BSC Young Boys und mit einer hal­ben Sai­son Chal­l­en­ge-League-Erfah­rung bei Yver­don, weck­te die­ser Zuzug damals kei­ne all­zu gros­sen Erwar­tun­gen. Doch auch vor vier Jah­ren konn­te er sich rasch in Sze­ne set­zen. Bereits beim ers­ten Star­t­el­fein­satz gehör­te er zu den Tor­schüt­zen (5:2‑Sieg aus­wärts gegen Ouchy), und im dar­auf­fol­gen­den Heim­spiel begeis­ter­te er das Aar­au­er Publi­kum mit einem spek­ta­ku­lä­ren Tref­fer beim 2:0‑Sieg gegen den FC Thun. «An die­sen Vol­ley­schuss aus rund 20 Metern kann ich mich noch gut erin­nern», blickt der gebür­ti­ge Thu­ner auf die­ses Tor gegen sei­nen Jugend­ver­ein, den er im Alter von 14 Jah­ren in Rich­tung Bun­des­stadt ver­liess, zurück.

Vla­di lief bereits von 2022 bis 2023 im FCA-Tri­­kot auf

Im zehn­ten Ein­satz für den FCA, einem 4:3‑Sieg in Wil, erziel­te er zwar sei­nen fünf­ten Tref­fer, zog sich im Spiel aber auch einen Ober­schen­kel­bün­del­riss zu und fiel für den Rest der Sai­son aus. «In die­ser Reha­zeit leg­te ich den Fokus auch auf die Stär­kung mei­nes Ober­kör­pers und konn­te mir hier eine gute Basis erar­bei­ten», erin­nert er sich an jene Zwangs­pau­se. Die Fort­schrit­te waren offen­sicht­lich: Der vor­hin schon robus­te Stür­mer hat­te mit sei­ner Phy­sis ein neu­es Level erreicht und leg­te einen per­sön­li­chen Traum­start in die Sai­son 2022/23 hin: Acht Tref­fer erziel­te er in den ers­ten sechs Meis­ter­schafts­run­den, ehe ihn eine Knie­ver­let­zung, zuge­zo­gen beim Cup-Heim­­spiel gegen den FC Basel, erneut für län­ge­re Zeit aus­brems­te.

Inter­na­tio­na­le Erfah­run­gen mit dem FC Luga­no

«Gesund­heit­li­che Rück­schlä­ge haben mir in mei­ner Kar­rie­re schon meh­re­re Stei­ne in den Weg gelegt. Doch ich bin ihnen immer mit einem posi­ti­ven Mind­set begeg­net und gestärkt zurück­ge­kom­men», sagt Vla­di. Zwei Tage nach jenem Match gegen den FCB hät­te er erst­mals für das Natio­nal­team des Koso­vos, dem Land, in dem sei­ne Eltern auf­ge­wach­sen sind, ein­rü­cken kön­nen. «Auch in der Zeit beim FC Luga­no konn­te ich zwei­mal einem Auf­ge­bot nicht Fol­ge leis­ten, da ich mit leich­ten Ver­let­zun­gen zu kämp­fen hat­te und in Rück­spra­che mit dem Ver­ein jeweils zu Hau­se blieb.» So steht eine Län­der­spiel­pre­mie­re noch immer aus. «Wie ich ver­nom­men habe, wer­den von Ver­bands­sei­te wei­ter­hin Infor­ma­tio­nen über mich ein­ge­holt. Ich bin also noch nicht ver­ges­sen gegan­gen», zeigt sich Vla­di dies­be­züg­lich opti­mis­tisch.

Das zwei­te erfolg­rei­che Come­back beim FC Aar­au führ­te auch zu Ange­bo­ten aus dem Aus­land, doch Vla­di ent­schied sich im Som­mer 2023, für fünf Jah­re beim FC Luga­no zu unter­schrei­ben, wobei die Aar­au­er mit einer statt­li­chen Trans­fer­sum­me von die­sem Wech­sel pro­fi­tie­ren konn­ten. Inter­na­tio­na­le Erfah­run­gen konn­te er mit sei­nem neu­en Team in den Euro­­pa­­cup-Wet­t­­be­­wer­­ben sam­meln, wo die Tes­si­ner durch­aus erfolg­reich auf­tra­ten. Auch Vla­di wuss­te dort auf sich auf­merk­sam zu machen, unter ande­rem mit Toren gegen Bes­ik­tas Istan­bul (zwei­mal) und den FC Brüg­ge.

Jubel über sei­nen zwei­ten Tref­fer beim 3:0‑Erfolg gegen Etoi­le Carouge

Erin­ne­run­gen an bis­he­ri­ge per­sön­li­che Erfol­ge von Shkel­qim sind im Büro von des­sen älte­ren Bru­der Armend zu betrach­ten, der vom Vater die Geschäfts­lei­tung eines Maler- und Gip­ser­ge­schäfts in Bern über­nom­men hat. «Dort befin­den sich ver­schie­de­ne Tri­kots von bedeu­ten­den Spie­len, aber auch zum Bei­spiel der Hat­­trick-Ball von mei­nen drei Toren für Aar­au gegen Bel­lin­zo­na, die Aus­zeich­nung der SFL in die ‹Gol­den Ele­ven› der Sai­son 2022/23 oder die Tro­phäe, die ich für die Wahl zum bes­ten FCA-Spie­­ler jener Spiel­zeit erhal­ten habe.»

Der Ber­ner Ober­län­der, der als Juni­or bei den Thu­ner Ver­ei­nen FC Rot-Schwarz und FC Dür­ren­ast die Grund­la­gen des Fuss­balls erlernt hat, gehör­te damals zu den Kleins­ten sei­ner Teams («ich war klein und wirb­lig»). Einen Berufs­ab­schluss mach­te er als Kauf­män­ni­scher Ange­stell­ter, indem er eine Sport­han­dels­schu­le besuch­te und Prak­ti­ka in ver­schie­de­nen Betrie­ben mach­te. Wel­chen beruf­li­chen Weg er ein­ge­schla­gen hät­te, wenn er nicht Pro­fi­fuss­bal­ler gewor­den wäre, weiss er nicht. «Ich sähe mich weder im Büro noch auf der Bau­stel­le.»

Tor gegen den FC Wil als «Dosen­öff­ner»

Seit sei­nem neu­er­li­chen Wech­sel zum FC Aar­au wohnt Vla­di in Ober­ent­fel­den, fährt aber an frei­en Wochen­en­den in sei­ne Thu­ner Hei­mat, um gemüt­lich mit Freun­den oder Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen zu «käfe­le», oder er nimmt ein Racket in die Hand und duel­liert sich in einer Par­tie in der Trend­sport­art Padel.

«Das war ein Befrei­ungs­schlag für mich nach die­sem schwie­ri­gen hal­ben Jahr in St. Gal­len. Da habe ich gemerkt: Ich bin wie­der da!»
— Shkel­qim Vla­di, über sein ers­tes Tor zurück in Aar­au

Beim FC Aar­au ver­steht er sich beson­ders gut mit Valon Faz­liu, mit dem er schon in sei­ner ers­ten Zeit im Brügg­li­feld zusam­men­ge­spielt hat. Als «Dosen­öff­ner» bezeich­net er das Pre­mie­ren­tor nach sei­ner Rück­kehr im Heim­spiel gegen den FC Wil. «Das war ein Befrei­ungs­schlag für mich nach die­sem schwie­ri­gen hal­ben Jahr in St. Gal­len. Da habe ich gemerkt: Ich bin wie­der da!» Schaut man auf transfermarkt.ch nach, wel­ches der stär­ke­re Fuss Vla­dis ist, steht dort «rechts» geschrie­ben. Drei der ers­ten vier Tore in die­ser Rück­run­de erziel­te er jedoch mit links. «Ich trai­nie­re Abschlüs­se mit bei­den Füs­sen inten­siv. Daher kann man mich schon als beid­füs­sig bezeich­nen», äus­sert sich der Spie­ler mit der Num­mer 11 zu einer sei­ner Stär­ken.

Die­se Qua­li­tä­ten will Shkel­qim Vla­di natür­lich auch im heu­ti­gen Spit­zen­kampf gegen den FC Vaduz unter Beweis stel­len: «Es wird sicher ein inter­es­san­tes Spiel. Unser Ziel sind ganz klar die drei Punk­te, um dort­hin zu kom­men, wo wir hin­ge­hö­ren.»

Match­zei­tung Nr. 15 (2025/26) lesen

Die­ser Arti­kel ist am 13. März 2026 in der Aus­ga­be Nr. 15 (Sai­son 2025/26) der Match­zei­tung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschie­nen.

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