«Das Meer fehlt mir ein wenig»
Er ist zwar erst 26 Jahre alt, hat aber bereits eine respektable Europa-Tour hinter sich: Im Gespräch mit HEIMSPIEL, welches vor seiner Verletzung in Yverdon stattfand, spricht der kroatische Neuzugang Roko Baturina über seine internationalen Erfahrungen, die ersten Eindrücke in Aarau und seinen Vater Mate, welcher einst in der Schweiz für GC aktiv war.
Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass Roko Baturina aus einer Fussballerfamilie stammt. Bereits sein Vater Mate war Profi, und auch seine beiden jüngeren Brüder Martin und Marin jagen professionell dem Ball hinterher. Martin gehört zum Kader des italienischen Erstligisten Como, der sich überraschend für die Champions League qualifizieren konnte und Teams wie die AC Milan oder Juventus Turin hinter sich liess. Marin, der Jüngste der drei, ist noch in der heimischen Liga aktiv.
So verwundert es nicht, dass Roko und seine Brüder vom Vater immer tatkräftig unterstützt wurden. «Er beendete seine Karriere, als ich sieben oder acht Jahre alt war. Von da an kümmerte er sich mit ganzem Herzen um uns», erzählt Roko. «Er reist viel herum, damit er uns spielen sieht. Und mit den Brüdern habe ich täglich Kontakt. Das ist mir sehr wichtig.» Eine Mutter gibt es natürlich auch. Sie sei zuhause in Split «der Boss» und schaue, dass alles gut laufe.
— Roko Baturina, über seinen ersten grossen Transfer.
In Split, bei Hajduk, begann auch das Fussballerleben des kleinen Roko. Er durchlief sämtliche Juniorenstufen, bis er 17 Jahre alt war. Dann wechselte er in die Hauptstadt zu Dinamo Zagreb – ausgerechnet Zagreb, wo doch zwischen Split und Zagreb eine ziemlich grosse Rivalität herrscht. Andererseits hat Dinamo Zagreb natürlich in der Fussballwelt einen guten Namen. Erst kürzlich schaltete man den FC Thun in der Qualifikation zur Champions League aus und steht nun in den Playoffs zur Gruppenphase.
Champions League spielte auch Roko schon, nämlich mit Ferencvaros. «Das war mein erster grosser Transfer und es war ein Erlebnis, bei diesem Club zu spielen. Allerdings war es auch nicht leicht, denn es gab dauernd irgendwelche Wechsel», blickt er auf seine Ungarn-Zeit zurück. «Immer wieder kamen und gingen Spieler, und auch die Trainer blieben nicht lange bei uns. So war es manchmal schwierig. Für mich lief es zunächst sehr gut, ich hatte viele Einsätze. Plötzlich wurde ich aber nicht mehr aufgestellt, ohne dass der Trainer mir einen Grund genannt hätte.»
Die Reise führte ihn deshalb weiter nach Polen zu Lech Poznan. «Auch das war fussballerisch kein Fortschritt für mich. Ich spielte eigentlich nie, und auch hier bekam ich keine Begründung, warum das so war. Trotzdem war das Engagement in Posen für mich ein absoluter Glücksfall, denn ich lernte dort meine Freundin kennen, mit der ich immer noch zusammen bin.» Roko wohnt momentan allein in einer Wohnung in der Region, aber er ist froh, dass sie ihn oft besuchen kann. Noch hatte er nicht gross Zeit, sich in der Stadt umzuschauen, aber er schätzt, dass es in unmittelbarer Nähe Läden gibt, in denen er alles bekommt, was er zum Leben braucht. «Einzig das Meer fehlt mir etwas bei diesen Temperaturen. In Split würde ich am Nachmittag nach dem Training sofort zur Abkühlung ins Meer springen, was in der Schweiz halt nicht geht», schmunzelt er.
«Spanien war die beste Zeit meiner bisherigen Karriere»
Nach Ablauf der Leihe ging es zurück nach Budapest, danach folgten weitere Leih-Engagements in Maribor und Santander, ehe er im Sommer 2023 definitiv zu Gil Vicente wechselte. «Spanien war die beste Zeit meiner bisherigen Karriere», schwärmt er noch heute von jener Zeit. «Mir hat das Land sehr gefallen, die Leute sind toll, und die Art, wie man dort Fussball spielt, passt mir sehr gut. Ich schaue heute noch sehr viel spanischen Fussball im Fernsehen und habe mich natürlich über den Sieg im WM-Final gefreut. Natürlich verfolge ich auch die Serie A genau, nicht nur wegen Como!»
Die Saison 2025/2026 bestritt der Kroate schliesslich in Dänemark, wo er mit dem AC Horsens den angestrebten Aufstieg aber verpasste. «Die amerikanischen Eigentümer haben viele gute Spieler verpflichtet, doch nach einem guten Saisonstart lief es dann nicht wie gewünscht.» Vom sechsten bis zum neunten Spieltag zierte man die Tabellenspitze, doch aus den letzten fünf Spielen holte das Team nur noch zwei Zähler und landete am Ende auf Platz fünf. Darum blickt Roko mit gemischten Gefühlen auf das Dänemark-Jahr zurück: «Für den Club war es eine gute Sache, aber für mich eher so fifty/fifty. Ein interessantes Erlebnis, aber halt ohne den angestrebten Erfolg.» Er kehrte zu Gil Vicente zurück, wo ihn die Anfrage des FC Aarau erreichte.
Die Gespräche mit dem FC Aarau verliefen von Anfang an positiv. «Die Schweiz ist bekannt für guten Fussball. Auch die zweithöchste Spielklasse bietet den Zuschauern etwas, und es gibt grosse Unterstützung durch die Fans. Die Leute in der Schweiz lieben den Fussball, das war mir schon bekannt. Natürlich besprach ich den Wechsel auch mit meinem Vater, der ja den Schweizer Fussball aus eigener Erfahrung kannte.»
Der Vater Mate Baturina gehörte von Januar 2001 bis Juni 2003 zum GC-Kader und spielte insgesamt drei Mal gegen den FC Aarau, wobei er beim 3:2‑Auswärtssieg der Hoppers im Juli 2002 sogar zu den Torschützen zählte. Zwei dieser Partien fanden im Brügglifeld statt, so dass er seinem Sohn durchaus erklären konnte, was es mit dem Kultstadion auf sich hat. Bei seinem Besuch anlässlich des Heimspiels gegen den FC Stade Nyonnais konnte sich Vater Baturina nicht nur vergewissern, dass das Stadion seinen Charme bewahrt hat, sondern gleich auch den ersten Treffer seines Sohnes im FCA-Dress bejubeln, wenige Sekunden nach dessen Einwechslung.
«Das erste Tor für einen neuen Verein ist immer sehr wichtig, vor allem für einen Stürmer», freut sich Roko. «Aber so, wie es entstanden ist, ist es doch noch spezieller. Ich glaube, es war das schnellste Tor meiner Karriere. Und es hat dazu beigetragen, dass wir den ersten Sieg feiern durften.» Es zeige auch seine grosse Stärke, erklärt der Stürmer. Er sei kopfballstark und fühle sich in der Box am wohlsten. Er brauche aber noch etwas Zeit, genau wie die ganze Mannschaft, bis sich die Abläufe automatisiert hätten. «Aber ich bin überzeugt, dass wir schnell Fortschritte machen, denn wir sind eine tolle Gruppe, die gemeinsam etwas erreichen möchte.»
Matchzeitung Nr. 3 (2026/27) lesen
Dieser Artikel ist am 28. August 2026 in der Ausgabe Nr. 3 (Saison 2026/27) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Neuchâtel Xamax FCS erschienen.





