Wenn Christian Constantin im Brügglifeld zu Besuch ist, gönnt er sich vor dem Match am liebsten eine Bratwurst. So will es der Präsident des FC Sion auch vor dem Cup-Achtelfinal handhaben – hinter der Haupttribüne etwas essen, sich unters Volk mischen und mit den Leuten reden. «Natürlich mache ich das», sagt der bald 69-Jährige. «Ich mag die Atmosphäre in diesem Stadion, ich mag die Aarauer. Die sind mir sympathisch.»
Constantin ist eine schillernde Figur im Schweizer Fussball und seit Jahren das Gesicht des wichtigsten Clubs im Wallis. Als er 1992 den Posten übernahm, war er gerade einmal 35 – und ein junger Unternehmer, der sich an eine grosse Aufgabe heranwagte. Der Inhaber eines Architekturbüros in Martigny löste André Luisier ab, einen Patron alter Schule, der während seiner Präsidialzeit auch Chefredaktor und Herausgeber der Lokalzeitung «Le Nouvelliste» war.
Das Comeback nach sechsjähriger Pause
In Constantins erste und fünf Jahre dauernde Amtszeit fielen drei Cupsiege in Serie: 1995 (4:2 im Final gegen GC), 1996 (3:2 gegen Servette) und 1997 (5:4 im Penaltyschiessen gegen Luzern). 1997 gewannen die Walliser zudem ihren zweiten und bislang letzten Meistertitel ihrer Historie.
Mit dem Scheitern in der Qualifikation zur Champions League gegen Galatasaray endete die Ära – und Constantin verschwand für die Fussballschweiz vorübergehend von der Bildfläche. Aber er tauchte wieder auf, als der Club aus finanziellen Gründen eigentlich in die 1. Liga zwangsrelegiert worden war. Constantin kehrte als Präsident zurück und wehrte sich vehement gegen das Urteil der Swiss Football League – mit Erfolg.
Drei Monate nach dem Start der Challenge-League-Saison 2003/04 musste der FC Sion in den Spielbetrieb integriert werden. Das Beispiel zeigt gut auf, wie der Unterwalliser funktioniert: furchtlos und hartnäckig, wenn es um das Wohl seines Vereins geht.

Christian Constantin im heimischen Tourbillon
Er stieg mit dem FC Sion 2006 auf, 2023 wieder ab, um schon ein Jahr später wieder erstklassig zu sein. Seit seinem Comeback kamen weitere vier Cuptriumphe hinzu. Und mittlerweile führt Christian Constantin eine Rangliste unangefochten an: Er hat als Präsident alles in allem bereits 27 Jahre auf dem Buckel. «Ich bin der Dienstälteste in der Geschichte des Schweizer Fussballs», sagt er und bittet am Telefon kurz um Geduld, weil er im Internet recherchieren will, wer in dieser Rangliste hinter ihm liegt: «Gilbert Facchinetti, 24 Jahre bei Xamax; Romano Simioni, 23 Jahre in Luzern; Edi Nägeli, 22 Jahre beim FC Zürich; Sven Hotz, 20 Jahre ebenfalls beim FCZ … Ich finde keinen, der das länger gemacht hat als ich.»
«Es geht voran. Wir arbeiten jeden Tag daran, um unser Ziel zu erreichen.»
Und es sieht auch nicht danach aus, als würde er demnächst abtreten. Das hat nicht zuletzt mit einem Projekt zu tun, das für Constantin eine Herzensangelegenheit ist. Zur Debatte stand zunächst auch eine Totalrenovation des altehrwürdigen Stade de Tourbillon. Doch der Präsident hält eine hohe Investition nicht für sinnvoll. Stattdessen strebt er den Bau eines neuen Stadions an. Stadt und Kanton zeigen grundsätzlich Interesse, wobei ein Entscheid noch nicht gefallen ist.
Die Kosten belaufen sich auf 450 Millionen Franken, wobei die öffentliche Hand nichts beisteuern muss. Constantin will sich um die Finanzierung kümmern. Läuft alles nach Plan, soll die neue Heimat des FC Sion 2030 bezugsbereit sein. Und natürlich möchte der heutige Präsident die Eröffnung in derselben Funktion erleben. «Es geht voran», betont er, «wir arbeiten jeden Tag daran, um unser Ziel zu erreichen.»
Als Xamax-Goalie gegen YF im Brügglifeld
Man mag von ihm das Bild des umtriebigen und unermüdlichen Präsidenten haben. Aber es gab auch einmal den Fussballer Christian Constantin, der es tatsächlich bis in die höchste Schweizer Liga schaffte – als Goalie bei Xamax und Lugano. Und darum kennt er das Brügglifeld nicht nur von seinen Besuchen als Zuschauer, sondern auch als Aktiver. Er traf in diesem Stadion allerdings nie auf den FC Aarau, dafür einmal mit den Neuenburgern auf die Young Fellows.
Der Zürcher Verein, der 1992 mit dem SC Juventus Zürich fusionierte und seither YF Juventus heisst, gehörte in der Saison 1977/78 zur Nationalliga A. Er genoss damals Gastrecht in Aarau und absolvierte seine Heimspiele im Brügglifeld. Ende Mai 1978 hiess der Gegner Xamax mit Goalie Constantin. Das Ergebnis: 3:4. Die Zuschauerzahl: 1300. Einer der Teamkollegen bei Xamax war damals der Mann, der heute von Olivier Jäckle als FCA-Spieler mit den meisten Einsätzen abgelöst werden könnte: Rolf Osterwalder. «Ich freue mich immer wieder, ihn zu sehen», so «CC».
«Wenn wir den Pokal nach Hause bringen, machen wir die Leute stolz. Sie empfangen die Spieler wie Helden.»
Nun also stattet er Aarau wieder einmal einen Besuch ab, und das in einem Wettbewerb, der ihm und dem Wallis so viel bedeutet. Bereits 13-mal hat der FC Sion die begehrte Trophäe gewonnen. «Der Cup bedeutet Emotionen, es geht am Tag X darum, den Match zu gewinnen», erklärt Constantin und erzählt, wie ein ganzer Kanton mitfiebert, wenn die Mannschaft im Final steht. «Und wenn wir den Pokal nach Hause bringen, machen wir die Leute stolz. Sie empfangen die Spieler wie Helden.»
In dieser Saison stellt sich den Sittenern der FC Aarau in den Weg. Für Constantin ist es «ein äusserst schwieriges Los», der Gegner verfügt für ihn über sehr viel Qualität mit einem funktionierenden Kollektiv. Einen hebt er gleichwohl hervor: Valon Fazliu – auch deshalb, «weil er Torgefahr ausstrahlt». Trainer Brunello Iacopetta erwähnt er ebenfalls: «Er hat mich schon mit seiner Arbeit beim FC Wil beeindruckt.»

Donat Rrudhani und Jan Kronig kehren ins Brügglifeld zurück
Constantin hat hörbar Respekt, und das hat wohl auch mit der Vergangenheit zu tun. Am 10. Februar 2021 schied der FC Sion im Cup-Achtelfinal auswärts gegen Aarau aus – nicht zuletzt wegen einer Sittener Leihgabe. Filip Stojilkovic steuerte das letzte Tor zum 4:2 der Aargauer bei – und war ein paar Monate später wieder bei den Wallisern. Aktuell stehen keine Fussballer im FCA-Team, die einen nahen Bezug zu Sion haben.
Lob für Rrudhani und Kronig
Dafür tragen mit Donat Rrudhani und Jan Kronig zwei Spieler mit Aarauer Vergangenheit das Trikot der heutigen Gäste. «Beide sind top», sagt der Präsident, «nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz. Wir sind froh, sie bei uns zu haben.»
Bleibt zum Schluss die Frage, wie nun der Cup-Achtelfinal an diesem 4. Dezember ausgeht. «Es wird vermutlich eine sehr umkämpfte Angelegenheit. Mit seinem Publikum im Rücken ist Aarau sogar leicht zu favorisieren.» Constantin freut sich auf das Duell in einem Wettbewerb, den er so liebt. Erst recht, wenn es davor eine Wurst vom Grill und das eine oder andere Gespräch mit den Einheimischen gibt.
Matchzeitung Nr. 10 (2025/26) lesen
Dieser Artikel ist am 4. Dezember 2025 in der Ausgabe Nr. 10 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Sion erschienen.
