Ein Luzerner als Einheimischer

Am Frei­tag­abend ist Tho­mas Tschup­pert mit den dama­li­gen Team­kol­le­gen aus der FCA-Cup­­­sie­­ger-Man­n­­schaft von 1985 zu Gast im Brügg­li­feld.

HEIMSPIEL traf Tho­mas Tschup­pert zum Gespräch in Trien­gen, der Luzer­ner Gemein­de, nörd­lich von Sur­see gele­gen, angren­zend an den Kan­ton Aar­gau. «Hier in einem Pub unter­schrieb ich 1981 mei­nen ers­ten Ver­trag mit dem FC Aar­au, im Bei­sein von FC-Sur­­see-Prä­­si­­dent Hans Zust und der Aar­au­er Dele­ga­ti­on mit Sport­chef Ernst Brun­ner und Trai­ner Paul Steh­ren­ber­ger», erin­nert sich der mitt­ler­wei­le 65-jäh­ri­­ge Rent­ner.

«Die Aar­au­er bemüh­ten sich mehr um mich. Nach dem Auf­stieg herrsch­te dort eine Eupho­rie, die­se Auf­ga­be reiz­te mich.»
— Tho­mas Tschup­pert, über den Wech­sel zum FC Aar­au

Auf­ge­wach­sen in But­tis­holz, wo er sich als Juni­or dem ört­li­chen Fuss­ball­ver­ein anschloss, wech­sel­te er bald zum «gros­sen» Nach­barn FC Sur­see und glänz­te dort als Goal­get­ter. Klar, dass er als Tor­schüt­zen­kö­nig der 1. Liga die Auf­merk­sam­keit auf sich zog. «Der Natio­nal­­li­­ga-B-Club Gren­chen mit dem spä­te­ren FCA-Trai­­ner Zvez­dan Cebi­nac woll­te mich ver­pflich­ten, aber da war mir der Auf­wand zu gross, um die­sen rela­tiv wei­ten Weg auf mich zu neh­men und nur eine Liga höher spie­len zu kön­nen.» Vor der Sai­son 1981/82 buhl­ten auch der FC Luzern und der FC Aar­au um den Mit­tel­stür­mer. «Die Aar­au­er bemüh­ten sich mehr um mich. Nach dem Auf­stieg herrsch­te dort eine Eupho­rie, die­se Auf­ga­be reiz­te mich. Ande­rer­seits rech­ne­te ich mir beim FCL nicht gros­se Ein­satz­chan­cen aus, da mit Peter Risi ein sehr treff­si­che­rer Stür­mer auf mei­ner Posi­ti­on spiel­te.»

Ein paar Goa­­lie-Han­d­­schu­he für alle Fäl­le

Aar­aus Coach Paul Steh­ren­ber­ger sah in sei­ner Neu­ver­pflich­tung aber nicht nur einen Angrei­fer. «Als Aga­pi­os Kalta­ver­i­dis im Start­spiel in Basel mit Rot vom Platz muss­te, frag­te mich ‹Stehri›, ob ich mir auch die Rol­le als Ver­tei­di­ger zutrau­en wür­de», erzählt Tschup­pert.

So wur­de der poly­va­len­te Spie­ler in sei­nen ers­ten Jah­ren im Aar­au­er Dress immer wie­der auf ande­ren Posi­tio­nen ein­ge­setzt. In der Cup­­­sie­­ger-Sai­­son spiel­te «Tschup­pi» mal als Vor­stop­per (Innen­ver­tei­di­ger), dann als Rechts- oder Links­ver­tei­di­ger, rechts im Mit­tel­feld oder auch im Sturm. «Der Fan­club Aar­au 1981 über­reich­te mir spas­ses­hal­ber bei einem Tref­fen ein paar Goa­­lie-Han­d­­schu­he für den Fall, dass ich auch als Tor­hü­ter mal gebraucht wer­den wür­de», erin­nert er sich schmun­zelnd.

Tschup­pert (links) mit Hans­ruedi Schär und Alain Sut­ter (GC)

Inklu­si­ve der Spie­le im Cup absol­vier­te Tschup­pert in jener Spiel­zeit, als die Aar­au­er unter ihrem neu­en Trai­ner Ott­mar Hitz­feld die Fuss­ball­schweiz mit Pres­sing und ris­kan­ter Off­side­fal­le ver­blüff­ten, 28 Par­tien über die vol­le Distanz. Im Cup­fi­nal am 27. Mai 1985 gegen Neu­châ­tel Xamax muss­te sich der All­roun­der aller­dings mit einer Joker­rol­le begnü­gen. Unmit­tel­bar nach Wal­ter Ise­lins «Tor des Jah­res» in der 86. Minu­te wur­de Tschup­pert für Char­ly Her­berth ein­ge­wech­selt und half, die 1:0‑Führung über die Zeit zu ret­ten. «Klar war ich ent­täuscht, dass ich bei die­sem gros­sen Spiel nicht in der Start­for­ma­ti­on ste­hen durf­te. Aber mir ging es immer ums Team. Und die­sen Tag wer­den wir stets in bes­ter Erin­ne­rung behal­ten. Die gross­ar­ti­ge Stim­mung im Wan­k­­dorf-Sta­­di­on mit den Aar­au­er Fans, wel­che unter den 32 000 Zuschau­ern klar in Über­zahl waren. Danach der ein­zig­ar­ti­ge Emp­fang mit tau­sen­den begeis­ter­ten Leu­ten auf dem Aar­gau­er­platz.»

«Da war sicher Hitz­feld ein wich­ti­ger Fak­tor. Und wir hat­ten gute Rou­ti­niers im Team, die andern­orts nicht mehr ers­te Wahl waren. Mit jedem Sieg wuchs das Selbst­ver­trau­en. Wir glaub­ten, Ber­ge ver­set­zen zu kön­nen. Aus­ser­dem hat­ten wir einen super Team­geist.»
— Tho­mas Tschup­pert, über den Cup­sieg

Wor­in sieht Tschup­pert das Geheim­nis des Erfolgs jener Sai­son, in wel­cher der FC Aar­au hin­ter Ser­vet­te Rang 2 beleg­te und den bis heu­te ein­zi­gen Cup­sieg der Ver­eins­ge­schich­te fei­ern konn­te? «Da war sicher Hitz­feld ein wich­ti­ger Fak­tor. Und wir hat­ten gute Rou­ti­niers im Team, die andern­orts nicht mehr ers­te Wahl waren. Mit jedem Sieg wuchs das Selbst­ver­trau­en. Wir glaub­ten, Ber­ge ver­set­zen zu kön­nen. Aus­ser­dem hat­ten wir einen super Team­geist. Nach jedem Heim­spiel gin­gen wir alle zusam­men mit unse­ren Part­ne­rin­nen essen.»

Inter­mez­zo beim FC St. Gal­len

Trotz der Begeis­te­rung im Umfeld des Brüg­g­­li­­feld-Ver­­eins ver­liess der But­tis­hol­zer den FC Aar­au nach vier Jah­ren. «Ich erhielt ein inter­es­san­tes Ange­bot vom FC St. Gal­len, der einen Ersatz für den zu Luga­no wech­seln­den Chris­ti­an Gross such­te. Von Gross konn­te ich auch gleich die Woh­nung über­neh­men.» Für Tschup­pert stand das Jahr in der Ost­schweiz unter kei­nem guten Stern. Immer wie­der wur­de er durch Ver­let­zun­gen zurück­ge­wor­fen. «Nach die­ser Sai­son kon­tak­tier­te mich Ernst Brun­ner und frag­te, ob ich nicht wie­der nach Aar­au zurück­kom­men wol­le. Ernst war mein För­de­rer. Ihm habe ich viel zu ver­dan­ken», erin­nert er sich an das lang­jäh­ri­ge FCA-Vor­­­stand­s­­mi­t­­glied.

Tschup­pert im Tri­kot der Schwei­zer Nati

Nach sei­ner Rück­kehr war Tho­mas Tschup­pert fort­an unum­strit­te­ner Stamm­spie­ler in der Innen­ver­tei­di­gung. Gefragt nach sei­nen Stär­ken, sagt er: «Mit mei­nen 1,72 Metern war ich nicht der Gröss­te, aber die­ses Defi­zit mach­te ich mit einer guten Sprung­kraft mehr als wett. Ich konn­te mich durch eine hohe Spiel­in­tel­li­genz aus­zeich­nen, war beid­füs­sig, lauf­stark und ver­füg­te über einen gros­sen Wil­len. Ich sah nur sel­ten eine Gel­be Kar­te, weil ich gut anti­zi­pier­te und bei mei­nen Tack­lings fast immer den Ball erwisch­te.»

Mann­de­ckung auf Rudi Völ­ler

Eine über­ra­gen­de Sai­son 1987/88, in wel­cher der FC Aar­au bis zum letz­ten Spiel um den Meis­ter­ti­tel kämpf­te, bescher­te ihm die Beru­fung in die Schwei­zer Natio­nal­mann­schaft, was aus­ser Chris­toph Gil­li (1 Test­spiel, 1986) wäh­rend über 50 Jah­ren kein Aar­au­er mehr geschafft hat­te. So stand er am 27. April 1988 beim Län­der­spiel gegen die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kai­sers­lau­tern auf dem Feld, um Rudi Völ­ler in Mann­de­ckung zu neh­men. Trotz der 0:1‑Niederlage erhielt Tschup­pert gute Kri­ti­ken und kam in vier wei­te­ren Nati-Spie­­len, dar­un­ter gegen Eng­land und Spa­ni­en, über die vol­le Distanz zum Ein­satz. «Bei der Natio­nal­hym­ne lief es mir jeweils kalt den Rücken run­ter. Es bedeu­te­te mir sehr viel, die Schweiz ver­tre­ten zu dür­fen, aber durch die­se Auf­trit­te auch den FC Aar­au und mei­nen Stamm­club But­tis­holz.»

Tschup­pert (2. von links) beim Abschied im Sta­di­on Brügg­li­feld

Mit dem FC Aar­au zog Tschup­pert noch ein wei­te­res Mal in den Cup­fi­nal ein. Gegen den Gras­shop­per Club Zürich setz­te es 1989 aller­dings eine 1:2‑Niederlage ab. «Nach den bei­den Gold­me­dail­len für den Gewinn des Liga­cups 1981 und den Cup­sieg 1985 berei­cher­te somit eine sil­ber­ne mei­ne Samm­lung», bilan­ziert Tschup­pert.

«Ich bin stolz und dank­bar, was ich im Fuss­ball erle­ben durf­te. Beim FC Aar­au hat­te ich eine super Zeit. Ich hat­te mich immer als Ein­hei­mi­scher gefühlt und viel Wert­schät­zung von den Leu­ten erfah­ren. Das heisst etwas als Luzer­ner!»
— Tho­mas Tschup­pert, über sei­ne Kar­rie­re

Zwei Jah­re spä­ter been­de­te er 31-jäh­­rig nach 324 Ein­sät­zen für den FC Aar­au sei­ne ein­drück­li­che Kar­rie­re auf höchs­ter Ebe­ne und wech­sel­te zusam­men mit sei­nem lang­jäh­ri­gen Weg­be­glei­ter Char­ly Her­berth zum FC Sur­see. Im zwei­ten Jahr gelang dem Club vom Sem­pa­cher­see der erst- und ein­ma­li­ge Auf­stieg in die Natio­nal­li­ga B. Doch Tschup­pert, der nie voll auf die Kar­te Fuss­ball setz­te, son­dern «neben­bei» bei der Luzer­ner Kan­to­nal­bank erfolg­reich tätig war, setz­te einen Schluss­punkt unter sei­ne Aktiv­kar­rie­re. «Ich bin stolz und dank­bar, was ich im Fuss­ball erle­ben durf­te. Beim FC Aar­au hat­te ich eine super Zeit. Ich hat­te mich immer als Ein­hei­mi­scher gefühlt und viel Wert­schät­zung von den Leu­ten erfah­ren. Das heisst etwas als Luzer­ner! Die Der­bys gegen den FCL waren für mich beson­ders spe­zi­ell. In mei­ner Regi­on sind zwar fast alle Luzern-Fans, aber es ehr­te mich, dass vie­le jeweils wegen mir ins Brügg­li­feld an die Spie­le kamen.»

Gemein­de­rat in But­tis­holz

Der zwei­fa­che Vater, der seit 45 Jah­ren mit sei­ner Frau Cor­ne­lia zusam­men ist, liess kürz­lich in But­tis­holz ein Zwei-Gene­ra­­tio­­nen-Haus bau­en, in wel­chem nun auch Sohn Yan­nick mit sei­ner Fami­lie wohnt. Tschup­pert, der vier Jah­re den FC Sur­see prä­si­dier­te und sechs Jah­re dem Golf­club Ober­kirch vor­stand, hat sich früh­zei­tig pen­sio­nie­ren las­sen und enga­giert sich seit 2020 im Gemein­de­rat. «Sei es beim FC Sur­see oder jetzt in But­tis­holz: Mir war und ist es ein Anlie­gen, etwas zurück­zu­ge­ben und mei­ne Lebens- und Berufs­er­fah­rung ein­brin­gen zu kön­nen.» Wer ihn kennt, wird sagen: Typisch Tschup­pi!

Match­zei­tung Nr. 18 (2024/25) lesen

Die­ser Arti­kel ist am 18. April 2025 in der Aus­ga­be Nr. 18 (Sai­son 2024/25) der Match­zei­tung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschie­nen.

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