Es gibt Fussballer, bei denen es nach harter Arbeit aussieht, wenn sie am Ball sind. Und es gibt jene, bei denen alles spielerisch und leicht wirkt. Bei Leon Frokaj kommen Liebhaber des «schönen», gepflegten Fussballs auf ihre Kosten. Man sieht ihm einfach gerne zu, wenn er kickt. Seine Ballbehandlung und Kreativität stechen im manchmal eher grauen Challenge-League-Alltag heraus. Ein Typ Strassenkicker, wie es sie nur noch wenige gibt.
«In unserer Familie wurde immer viel hinter dem Haus Fussball gespielt», bestätigt Leon. Der Zusammenhalt der Familie ist ohnehin sehr ausgeprägt. So wohnen nebst ihm, seinen Eltern und dem jüngeren Bruder noch weitere Verwandte in der gleichen Liegenschaft sowie in unmittelbarer Umgebung. Wenn es das Wetter zulässt, wird oft draussen gekickt. Auch Tischtennis-Duelle sind beliebt bei Familie Frokaj.

Leon Frokaj im Cup-Spiel gegen Dominik Pech (YB)
Bereits mit vier Jahren schloss sich Leon dem FC Wolhusen an, drei Jahre später konnte er vom Entlebucher Verein zum FC Luzern wechseln. Sein Vater war stets dabei, fuhr ihn in die Trainings und später auch in die Sportschule nach Kriens. Diese beendete das junge Talent allerdings nicht. Denn mit 14 Jahren ergab sich die Möglichkeit, beim «grossen» FC Basel den nächsten Schritt zu machen. In Basel absolvierte er das neunte Schuljahr und besuchte anschliessend eine an den Spitzensport angepasste Wirtschaftsmittelschule.
«Ich habe mich in Basel gut entwickelt und lernte auf eigenen Füssen zu stehen. Ohnehin lässt sich nie voraussehen, ob ein anderer Weg zielführender gewesen wäre.»
Am Rheinknie lebte Leon im Wohnhaus des FC Basel; in den letzten beiden Jahren mit eigener Wohnung, die er mit seinem damaligen Teamkollegen Leon Avdullahu teilte. Dieser ist bekanntlich inzwischen in der 1. Bundesliga bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag. «Alles war sehr gut organisiert, es fehlte uns an nichts. Das Leben in der eigenen Wohnung verhalf zur Selbstständigkeit, wir mussten selber putzen. Im Appartement war ich aber vorwiegend allein, da mein Wohngefährte wenn immer möglich nach Hause fuhr.»
Angesichts der vielen Talente, die der FC Luzern in den letzten Jahren herausbrachte: War es nachträglich gesehen ein Fehler, zum FCB zu wechseln? Leon Frokaj verneint: «Natürlich habe ich mir diese Gedanken auch gemacht. Aber ich bereue nichts, ich habe mich in Basel gut entwickelt und lernte auf eigenen Füssen zu stehen. Ohnehin lässt sich nie voraussehen, ob ein anderer Weg zielführender gewesen wäre.»
Vom Aarauer Plan überzeugt worden
Als sich für Leon diesen Sommer ein Weggang von Basels U21 anbahnte, war auch eine Rückkehr zum FCL ein Thema. Beim Team von Mario Frick war er im Probetraining. «Von meinem Berater erfuhr ich schliesslich, dass Elsad Zverotic und Brunello Iacopetta mich seit einem Jahr auf dem Radar hatten. In einem gemeinsamen Gespräch zeigten sie mir auf, welchen Plan sie mit mir beim FC Aarau haben. Das hat mich überzeugt.»
Sich an die neue Liga gewöhnen, Spielminuten zu sammeln – das stand für Leon zunächst im Vordergrund. «Bis jetzt ist es sehr gut gelaufen. Ich komme fast immer zum Einsatz und kämpfe um jede Minute. Es liegt an mir, zu einem Spieler zu werden, auf den der Trainer nicht mehr verzichten kann. Ich will zeigen, dass ich in die Startelf gehöre», gibt er sich kämpferisch.

Gemeinsame Freude mit Victor Petit
Unter Druck setzen lässt er sich aber nicht. Und nervös wird er auch nicht, wenn das Stadion voll ist. «Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich nur auf das Spiel und den Ball fokussiert. Und da will ich meine Qualitäten unter Beweis stellen.» Zu seinen Stärken zählt er seine Abschlussstärke, das Eins-gegen-Eins, das Umschaltspiel und seine Spielintelligenz. «Verbessern muss ich mich im Defensivverhalten und auch im Kopfballspiel», fügt er an.
«Das Gefühl lässt sich gar nicht richtig beschreiben, für dieses Land zu kämpfen. Der Verband war immer für mich da – vor allem, als ich beim FC Basel eine schwierige Zeit hatte. Dafür bin ich sehr dankbar.»
Zum Einsatz kommt er seit einem Jahr auch in der U21-Nationalmannschaft des Kosovo. In diesem Herbst glänzte er dabei mit insgesamt drei Treffern. Ein Strahlen huscht über sein Gesicht auf die Frage, was es ihm bedeute, für den Kosovo auflaufen zu dürfen: «Das Gefühl lässt sich gar nicht richtig beschreiben, für dieses Land zu kämpfen. Der Verband war immer für mich da – vor allem, als ich beim FC Basel eine schwierige Zeit hatte. Dafür bin ich sehr dankbar.» Nicht spurlos an ihm vorbei geht der ganze Reisestress für diese Länderspiele. «Beim letzten Zusammenzug reisten wir von Zypern, wo es 30 Grad heiss war, nach Finnland, wo Minustemperaturen herrschten. Für den Körper und den Kopf ist das schon anstrengend. Aber das gehört halt auch zu den Herausforderungen, die es zu meistern gilt», sagt der 20-Jährige abgeklärt.
«Ich schätze diese Offenheit sehr»
In zwei FCA-Spielen nach Länderspielpausen kam er jeweils nicht zum Einsatz. «Der Trainer erklärte mir in einem Gespräch, dass dies keine Bestrafung sein solle, aber er wisse halt jeweils nicht, wie ich während dieser Zeit trainiert habe und wie es mir gehe. Er attestierte mir aber, dass ich auf einem guten Weg sei und meine Chancen erhalten werde. Ich schätze diese Offenheit sehr.»
Auch am letzten Sonntag verzichtete Iacopetta auf eine Einwechslung Frokajs. «Bei meinem Startelf-Einsatz gegen Sion drei Tage vorher hätte ich gerne wieder gezeigt, was ich drauf habe, wie beim letzten Cupspiel gegen die Young Boys. Leider schwächte mich in diesen Tagen eine Erkältung, sodass ich nicht wie gewünscht auf Touren kam. Gegen Yverdon wäre ich aber für einen Teileinsatz bereit gewesen, wenn es die Situation erfordert hätte.» Das Team habe ein super Spiel gemacht gegen den Super-League-Absteiger. «Nun wollen wir diese Leistung gegen Carouge unbedingt bestätigen, um dann mit breiter Brust nach Vaduz zu reisen», freut sich Leon auf die letzten beiden Spiele dieses Jahres.

Leon Frokaj im Duell mit Fabio Saiz (Xamax)
Beim FC Aarau fühlt er sich wohl. «Ich habe bei den Jungen im Team rasch Anschluss gefunden. Aber ich verstehe mich mit allen gut. Wir sind wie eine Familie», sagt der Tennis-Fan, der insbesondere die Partien der beiden Superstars Jannik Sinner und Carlos Alcaraz verfolgt.
Und was sind die kurz- und mittelfristigen Ziele des Leon Frokaj? «Als Team steht natürlich der Aufstieg in die Super League über allem. Persönlich möchte ich wie erwähnt ein für den Trainer unverzichtbarer Spieler werden. Ein Ziel ist sicher auch, einst für die A-Nationalmannschaft des Kosovo auflaufen zu dürfen. Und wie für viele andere Spieler wäre einmal ein Transfer in eine der Top-5-Ligen ein Traum.»
Matchzeitung Nr. 11 (2025/26) lesen
Dieser Artikel ist am 12. Dezember 2025 in der Ausgabe Nr. 11 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Etoile Carouge FC erschienen.
