Er ist der Mann im Aarauer Mittelfeld, der die Löcher stopft; er ist der Mann, der viele der sogenannt zweiten Bälle erkämpft – was umso wichtiger ist, seit der FCA mit vielen langen Pässen spielt. Und er ist der Mann, der das Auge für die Spielverlagerung hat und gefährliche Freistossflanken aus dem Halbfeld schlagen kann.
Nassim Zoukit, ein Genfer mit marokkanischen Wurzeln, spielt erstmals bei einem Verein in der Deutschschweiz. Im vergangenen Sommer wechselte er von Etoile Carouge zum FC Aarau. Auf dem Brügglifeld avancierte er sofort zum Stammspieler. Nassim, der in Oberentfelden wohnt, sagt: «Aarau ist ambitioniert und will aufsteigen. Das will ich auch. Deshalb bin ich hier genau am richtigen Ort.»
Im Blickfeld der Super League
Etoile Carouge indes spielt in seinem Leben als Fussballer eine prägende Rolle. Zweimal gehörte er der Equipe vom Stade de la Fontenette an. Zuerst in der Saison 2021/22 und danach während den vergangenen zwei Spielzeiten, als die «Stelliens» unter Trainer Adrian Ursea den Aufstieg in die Challenge League schafften. In der letzten Saison galt Etoile Carouge als die spielstärkste Equipe der Liga. Bis zum Schluss blieb der Aufsteiger im Kampf um den Barrage-Platz ein hartnäckiger Konkurrent des FCA und landete schliesslich auf Platz 3.
Schon 2021, beim ersten Engagement bei Etoile Carouge, sorgte die Equipe mit Zoukit für Aufsehen. Als Vertreter der Promotion League warf Carouge im Achtelfinal den FC Basel mit 1:0 aus dem Cup. Der damals 20-jährige Nassim Zoukit zeigte unter dem damaligen Coach Thierry Cotting eine überragende Leistung, sodass ihn Lausanne-Sport während der Winterpause abwarb.

Im Duell mit Ryan Kessler beim Cup-Spiel vor einem Jahr
Aber bei Lausanne wurde Zoukit nicht glücklich. Die Waadtländer stiegen in die Challenge League ab, und dort kam er nur noch wenig zum Einsatz. Das nächste Engagement bei der AC Bellinzona brach er nach drei Monaten wegen permanenten Unruhen im Verein und des chaotischen Managements ab. Er schaffte es, mit dem damaligen Patron Pablo Bentancur eine Vertragsauflösung auszuhandeln.
Und so stand Nassim Zoukit wieder einmal vor der Frage: Wie weiter? Er rief Trainer Adrian Ursea an, und dieser schaute, dass Zoukit wieder auf der Fontenette Unterschlupf fand. Das Stadion liegt unweit von Petit-Lancy, dort wo er aufgewachsen ist mit dem älteren Bruder (27) und der jüngeren Schwester (19) und er als kleiner Bub angefangen hatte zu kicken, beim Quartierverein CS Italien.
Der Traum von der Primera Division
Eigentlich hatte Nassim ganz andere Pläne. Als junger Spieler war er von Spaniens Eliteliga fasziniert. In der Primera Division wollte er einst spielen. Er lernte in Genf seinen ersten Spielervermittler kennen. Der Spanier brachte den damals 16-Jährigen nach Galizien, in die Nachwuchsabteilung von Deportivo Lugo. Nach einem Jahr wechselte er in den Nachwuchs des FC Girona in Katalonien. Dort bot man ihm nach einem Jahr an, den Nachwuchsvertrag zu verlängern. Aber Zoukit entschied sich, in die Schweiz zurückzukehren. Er hoffte, einen Vertrag bei einem Verein der Super League oder Challenge League zu erhalten.

Von Etoile Carouge aufs Brügglifeld - zusammen mit Victor Petit
Nassim betont, dass er die Erfahrungen, die er in Spanien als Junior gemacht hat, nicht missen möchte. Für seine Entwicklung als Fussballer, aber auch als Mensch sei die Zeit auf der iberischen Halbinsel sehr wertvoll gewesen. Die Rückkehr in die Schweiz verlief aber nicht so, wie er es erhofft hatte. Als Covid kam, er keinen Verein hatte, nach Gesprächen und Probetrainings bei YB U21 und FCZ U21 weder in Bern noch in Zürich einen Vertrag erhielt, sei er in ein Loch gefallen und es habe die Gefahr bestanden, «die Zuversicht und den Kopf zu verlieren.»
Den Fussball neu kennengelernt
Deshalb ist er Etoile Carouge und insbesondere Trainer Ursea dankbar. «Durch ihn habe ich den Fussball neu kennen und schätzen gelernt.» Zoukit denkt, dass Yverdon Sport, dort wo Ursea nun als Trainer amtet, mit der auf Ballbesitz ausgerichteten Spielweise im Verlaufe der Saison kontinuierlich stärker wird, wenn alle Spieler die Ideen des Trainers verinnerlicht haben.
Für den FC Aarau und Zoukit aber steht die Gegenwart im Fokus. Die 1:5-Klatsche in Bellinzona hat für Ernüchterung gesorgt. Auf die Frage, ob man den Gegner unterschätzt habe, antwortet Nassim knapp: «Vielleicht.» Manchmal gebe es im Fussball keine Erklärung. «Auch ich bin frustriert. Wir müssen uns einfach eingestehen, dass wir schlecht waren. Wir müssen reagieren, und ich denke, wir werden gegen Nyon reagieren.» Und Nassim fährt fort: «Vielleicht wird uns dieses 1:5 wecken und uns für den Rest der Vorrunde unter Alarm setzen.»

Nassim Zoukit gegen Leorat Bega (Nyon)
Er erwartet auch gegen Nyon eine delikate Aufgabe. «Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man sich als Challenge-League-Spieler auf die Partien im Brügglifeld freut. In diesem Stadion hat es viele Zuschauer, und es herrscht Stimmung. Das gefällt einem auch als Spieler der Gastmannschaft und stimuliert.»
Mit dem heutigen Gegner Stade Nyonnais verbindet Zoukit keine Vergangenheit. «Ich kenne einige Spieler, mit denen ich einst zusammengespielt habe, wie Mayka Okuka, Leorat Bega mit den wehenden Haaren und Goalie Melvin Mastil.» Für Zoukit ist klar: Gegen diese junge, laufstarke und unbekümmert aufspielende Equipe muss der FC Aarau bereit sein.
Matchzeitung Nr. 9 (2025/26) lesen
Dieser Artikel ist am 22. November 2025 in der Ausgabe Nr. 9 (Saison 2025/26) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Stade Nyonnais erschienen.
