«Wir müssen reagieren – und wir werden reagieren»

Der 24-jäh­ri­­ge Neu­zu­gang Nas­sim Zou­kit ist rasch zum Schlüs­sel­spie­ler avan­ciert. Aber so grad­li­nig und ruhig wie sein Stil wirkt, ver­lief sei­ne Kar­rie­re bis­her nicht.

Er ist der Mann im Aar­au­er Mit­tel­feld, der die Löcher stopft; er ist der Mann, der vie­le der soge­nannt zwei­ten Bäl­le erkämpft – was umso wich­ti­ger ist, seit der FCA mit vie­len lan­gen Päs­sen spielt. Und er ist der Mann, der das Auge für die Spiel­ver­la­ge­rung hat und gefähr­li­che Frei­stoss­flan­ken aus dem Halb­feld schla­gen kann.

Nas­sim Zou­kit, ein Gen­fer mit marok­ka­ni­schen Wur­zeln, spielt erst­mals bei einem Ver­ein in der Deutsch­schweiz. Im ver­gan­ge­nen Som­mer wech­sel­te er von Etoi­le Carouge zum FC Aar­au. Auf dem Brügg­li­feld avan­cier­te er sofort zum Stamm­spie­ler. Nas­sim, der in Ober­ent­fel­den wohnt, sagt: «Aar­au ist ambi­tio­niert und will auf­stei­gen. Das will ich auch. Des­halb bin ich hier genau am rich­ti­gen Ort.»

Im Blick­feld der Super League

Etoi­le Carouge indes spielt in sei­nem Leben als Fuss­bal­ler eine prä­gen­de Rol­le. Zwei­mal gehör­te er der Equi­pe vom Sta­de de la Fon­te­net­te an. Zuerst in der Sai­son 2021/22 und danach wäh­rend den ver­gan­ge­nen zwei Spiel­zei­ten, als die «Stel­li­ens» unter Trai­ner Adri­an Ursea den Auf­stieg in die Chall­enge League schaff­ten. In der letz­ten Sai­son galt Etoi­le Carouge als die spiel­stärks­te Equi­pe der Liga. Bis zum Schluss blieb der Auf­stei­ger im Kampf um den Bar­ra­­ge-Platz ein hart­nä­cki­ger Kon­kur­rent des FCA und lan­de­te schliess­lich auf Platz 3.

Schon 2021, beim ers­ten Enga­ge­ment bei Etoi­le Carouge, sorg­te die Equi­pe mit Zou­kit für Auf­se­hen. Als Ver­tre­ter der Pro­mo­ti­on League warf Carouge im Ach­tel­fi­nal den FC Basel mit 1:0 aus dem Cup. Der damals 20-jäh­ri­­ge Nas­sim Zou­kit zeig­te unter dem dama­li­gen Coach Thier­ry Cot­ting eine über­ra­gen­de Leis­tung, sodass ihn Lau­­san­ne-Sport wäh­rend der Win­ter­pau­se abwarb.

Im Duell mit Ryan Kess­ler beim Cup-Spiel vor einem Jahr

Aber bei Lau­sanne wur­de Zou­kit nicht glück­lich. Die Waadt­län­der stie­gen in die Chall­enge League ab, und dort kam er nur noch wenig zum Ein­satz. Das nächs­te Enga­ge­ment bei der AC Bel­lin­zo­na brach er nach drei Mona­ten wegen per­ma­nen­ten Unru­hen im Ver­ein und des chao­ti­schen Manage­ments ab. Er schaff­te es, mit dem dama­li­gen Patron Pablo Ben­tan­cur eine Ver­trags­auf­lö­sung aus­zu­han­deln.

Und so stand Nas­sim Zou­kit wie­der ein­mal vor der Fra­ge: Wie wei­ter? Er rief Trai­ner Adri­an Ursea an, und die­ser schau­te, dass Zou­kit wie­der auf der Fon­te­net­te Unter­schlupf fand. Das Sta­di­on liegt unweit von Petit-Lan­­cy, dort wo er auf­ge­wach­sen ist mit dem älte­ren Bru­der (27) und der jün­ge­ren Schwes­ter (19) und er als klei­ner Bub ange­fan­gen hat­te zu kicken, beim Quar­tier­ver­ein CS Ita­li­en.

Der Traum von der Pri­me­ra Divi­si­on

Eigent­lich hat­te Nas­sim ganz ande­re Plä­ne. Als jun­ger Spie­ler war er von Spa­ni­ens Eli­te­li­ga fas­zi­niert. In der Pri­me­ra Divi­si­on woll­te er einst spie­len. Er lern­te in Genf sei­nen ers­ten Spie­ler­ver­mitt­ler ken­nen. Der Spa­ni­er brach­te den damals 16-Jäh­ri­­gen nach Gali­zi­en, in die Nach­wuchs­ab­tei­lung von Depor­tivo Lugo. Nach einem Jahr wech­sel­te er in den Nach­wuchs des FC Giro­na in Kata­lo­ni­en. Dort bot man ihm nach einem Jahr an, den Nach­wuchs­ver­trag zu ver­län­gern. Aber Zou­kit ent­schied sich, in die Schweiz zurück­zu­keh­ren. Er hoff­te, einen Ver­trag bei einem Ver­ein der Super League oder Chall­enge League zu erhal­ten.

Von Etoi­le Carouge aufs Brügg­li­feld — zusam­men mit Vic­tor Petit

Nas­sim betont, dass er die Erfah­run­gen, die er in Spa­ni­en als Juni­or gemacht hat, nicht mis­sen möch­te. Für sei­ne Ent­wick­lung als Fuss­bal­ler, aber auch als Mensch sei die Zeit auf der ibe­ri­schen Halb­in­sel sehr wert­voll gewe­sen. Die Rück­kehr in die Schweiz ver­lief aber nicht so, wie er es erhofft hat­te. Als Covid kam, er kei­nen Ver­ein hat­te, nach Gesprä­chen und Pro­be­trai­nings bei YB U21 und FCZ U21 weder in Bern noch in Zürich einen Ver­trag erhielt, sei er in ein Loch gefal­len und es habe die Gefahr bestan­den, «die Zuver­sicht und den Kopf zu ver­lie­ren.»

Den Fuss­ball neu ken­nen­ge­lernt

Des­halb ist er Etoi­le Carouge und ins­be­son­de­re Trai­ner Ursea dank­bar. «Durch ihn habe ich den Fuss­ball neu ken­nen und schät­zen gelernt.» Zou­kit denkt, dass Yver­don Sport, dort wo Ursea nun als Trai­ner amtet, mit der auf Ball­be­sitz aus­ge­rich­te­ten Spiel­wei­se im Ver­lau­fe der Sai­son kon­ti­nu­ier­lich stär­ker wird, wenn alle Spie­ler die Ideen des Trai­ners ver­in­ner­licht haben.

Für den FC Aar­au und Zou­kit aber steht die Gegen­wart im Fokus. Die 1:5‑Klatsche in Bel­lin­zo­na hat für Ernüch­te­rung gesorgt. Auf die Fra­ge, ob man den Geg­ner unter­schätzt habe, ant­wor­tet Nas­sim knapp: «Viel­leicht.» Manch­mal gebe es im Fuss­ball kei­ne Erklä­rung. «Auch ich bin frus­triert. Wir müs­sen uns ein­fach ein­ge­ste­hen, dass wir schlecht waren. Wir müs­sen reagie­ren, und ich den­ke, wir wer­den gegen Nyon reagie­ren.» Und Nas­sim fährt fort: «Viel­leicht wird uns die­ses 1:5 wecken und uns für den Rest der Vor­run­de unter Alarm set­zen.»

Nas­sim Zou­kit gegen Leo­rat Bega (Nyon)

Er erwar­tet auch gegen Nyon eine deli­ka­te Auf­ga­be. «Ich weiss aus eige­ner Erfah­rung, dass man sich als Chal­l­en­ge-League-Spie­­ler auf die Par­tien im Brügg­li­feld freut. In die­sem Sta­di­on hat es vie­le Zuschau­er, und es herrscht Stim­mung. Das gefällt einem auch als Spie­ler der Gast­mann­schaft und sti­mu­liert.»

Mit dem heu­ti­gen Geg­ner Sta­de Nyon­nais ver­bin­det Zou­kit kei­ne Ver­gan­gen­heit. «Ich ken­ne eini­ge Spie­ler, mit denen ich einst zusam­men­ge­spielt habe, wie May­ka Oku­ka, Leo­rat Bega mit den wehen­den Haa­ren und Goa­lie Mel­vin Mastil.» Für Zou­kit ist klar: Gegen die­se jun­ge, lauf­star­ke und unbe­küm­mert auf­spie­len­de Equi­pe muss der FC Aar­au bereit sein.

Match­zei­tung Nr. 9 (2025/26) lesen

Die­ser Arti­kel ist am 22. Novem­ber 2025 in der Aus­ga­be Nr. 9 (Sai­son 2025/26) der Match­zei­tung HEIMSPIEL gegen den FC Sta­de Nyon­nais erschie­nen.

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