«Die Mannschaft ist zu mehr fähig»
Im Gespräch mit HEIMSPIEL erzählt Mohamed Guindo von seinem Leben, seiner Karriere und seinen Plänen beim FC Aarau — überzeugt, dass die Mannschaft bald wieder erfolgreichere Zeiten erleben wird.
Geboren wurde Mohamed «Mo» Guindo in Mali als Ältestes von fünf Kindern. Seine Familie sei überhaupt nicht sportlich gewesen, erzählt er. «Mein Vater hat zwar Fussball gespielt, aber nie als Profi. Und weil er sich ständig mit Verletzungen herumplagen musste, hörte er in jungen Jahren bereits wieder auf.» Neben dem 23-Jährigen gehören zur Familie noch zwei Brüder und zwei Schwestern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren. Ob jemand von ihnen später auch einmal eine Karriere im Profisport anstreben wird, lässt sich im Augenblick noch nicht sagen.
Als Mohamed zehn Jahre alt war, entschied sich die Familie, nach Belgien auszuwandern. Sie lebten zunächst in Lüttich, später in Brüssel. Dort begann er auch als Junior mit dem Fussballspielen. «Von klein auf hatte ich das Ziel, Profifussballer zu werden», erzählt er. So trat er der Jugend-Akademie in Molenbeek bei. Bereits als 14-Jähriger kam er zu Anderlecht, wo er dann beinahe fünf Jahre blieb und es bis ins U21-Team schaffte. Als er 18½ war, verliess er seine Familie in Belgien und wechselte nach Italien. «Pro Vercelli spielte im Mittelfeld der Serie C und war ein typischer Club jener Liga. Es gab keine Ambitionen nach oben und keine Abstiegsgefahr.» Das war dem jungen Stürmer dann aber zu wenig. Er wollte in einer Mannschaft spielen, die höhere Ziele hatte, und kehrte nach Belgien zurück. Beim Nachwuchs von Zulte Waregem konnte er seine Treffsicherheit unter Beweis stellen und erzielte in 25 Partien 27 Tore. So bekam er auch einige Einsätze in der 1. Mannschaft, blieb dort jedoch ohne Erfolgserlebnis.
Die nächste Station ist den FCA-Fans seit diesem Sommer durchaus ein Begriff. Bei RAAL La Louvière, wo aktuell der letztjährige FCA-Toptorschütze Elias Filet spielt, war er Stammspieler in der 2. Mannschaft und kam auf immerhin 14 Einsätze in der Jupiler Pro League. «Mit Elias Filet habe ich zwar einige Male gesprochen, aber er war nicht in meinen Transfer nach Aarau involviert», stellt Mo klar. In La Louvière lernte er auch Alexis Beka Beka kennen, der bei seinem Wechsel zu Aarau eine gewisse Rolle spielte. Er habe verschiedene Möglichkeiten gehabt, als es im Sommer darum ging, einen neuen Club zu finden. Konkrete Namen will er nicht nennen, verrät aber, dass ein Club aus Polen dabei war: «Dieser war zuletzt immer in den hinteren Regionen der Tabelle zu finden und kämpfte gegen den Abstieg. Ich habe aber eine Mannschaft gesucht, die sich nach oben orientiert.» Auch Zweitligisten aus Frankreich und Belgien und ein Verein aus Portugal hätten Interesse angemeldet, doch diese waren meistens ohne grosse Ambitionen und deshalb für Guindo keine realistische Option.
«Als ich dann erfuhr, dass Alexis nach Aarau wechselte, habe mich einmal schlau gemacht, was das für ein Verein ist», erzählt er weiter. «Bis dahin habe ich von der Schweiz kaum etwas gewusst, und von Aarau schon gar nichts. Schnell ist mir aber klar geworden, dass der FC Aarau eine gute Option für mich ist. Letzte Saison hat es mit dem angestrebten Aufstieg leider knapp nicht geklappt, aber man will es wieder probieren – genau so etwas habe ich gesucht!» So kam dann Ende August der Wechsel ins Brügglifeld zustande.
Bereits beim ersten Einsatz, im Heimspiel gegen Neuchâtel Xamax, gelang ihm nach gut einer Stunde das Führungstor. Das war für ihn natürlich wichtig und trug mit Sicherheit dazu bei, dass er sich schnell in der neuen Umgebung zurechtfinden konnte. Mittlerweile hat er auch eine Wohnung in der Region Aarau bezogen und fühlt sich sehr wohl: «Es ist sehr ruhig, und ich kann mich gut von den Spielen und den Trainings erholen.» Auch in der Mannschaft sei er gut aufgenommen worden. Immerhin kann er sich mit Alexis Beka Beka, Victor Petit-Viretti und Henri Koide auf Französisch unterhalten. Dazu kommt, dass er aus seiner Zeit bei Pro Vercelli auch etwas Italienisch kann. Deutsch hat er in den wenigen Wochen, die er im Aargau ist, noch nicht gelernt, weist aber darauf hin, dass die deutsche und die niederländische Sprache sehr viele Ähnlichkeiten haben. «Ich spreche zwar kaum niederländisch, verstehe es aber recht gut und traue mir zu, schnell auch einige deutsche Sätze zu verstehen.»
Natürlich kam auch die aktuelle Situation in der Meisterschaft zur Sprache. Mohamed war ja nicht von Anfang an dabei und musste sich erst zurechtfinden. Dies gelang ihm aber recht schnell. Trotzdem brauche es halt immer noch Zeit, bis alles wirklich wie geplant klappe: «Wir trainieren jeden Tag hart und haben eine sehr gute Mannschaft. Auch der Staff leistet eine hervorragende Arbeit, und wir haben immer einen klaren Plan, wie wir spielen wollen. Nun liegt es an uns Spielern, das auch auf dem Platz zu zeigen.» Er streitet nicht ab, dass noch Verbesserungen nötig und auch möglich sind, hält aber fest, dass die Mannschaft zu mehr fähig ist, als sie im bisherigen Verlauf der Meisterschaft gezeigt hat. «Wir haben den FC Zürich geschlagen, und wer das schafft, kann auch in der Challenge League jede Mannschaft schlagen. Das wäre logisch – aber leider ist der Fussball nicht logisch. Wir haben gegen gute Mannschaften besser gespielt und gezeigt, dass wir in jedem Spiel mindestens ein Tor schiessen können. Wenn es uns endlich gelingt, dass wir keine Gegentore bekommen, werden wir auch wieder mehr Siege feiern können.» Dabei spiele es auch keine Rolle, ob er selber ein Tor erziele. «Ich bin auch zufrieden, wenn ich für meine Kollegen Lücken aufreissen oder einen entscheidenden Pass spielen kann.»
Auch das im Cupspiel angepasste Spielsystem kommt Mohamed Guindo entgegen. «Wir haben mehr und bessere Chancen, die wir einfach konsequenter in Tore umwandeln müssen.» Gerade in den beiden Spielen gegen Stade Nyonnais und Etoile Carouge war fehlende Effizienz ein Manko, das zu den Niederlagen geführt hat. «Allerdings war bei den Gegentoren oft auch etwas Pech dabei. Wenn ich an die abgelenkte Flanke beim 0:1 in Nyon denke oder daran, dass der Ausgleich von Carouge der erste gefährliche Angriff war.» Das bringe die Punkte jedoch nicht zurück, aber er sei überzeugt, dass sich die harte Trainingsarbeit irgendwann lohne und der Plan dann aufgehe. Dazu trage auch die gute Unterstützung des Publikums bei. Das Stadion sei zwar nicht das Modernste, aber er spiele lieber hier vor gut gefüllten Rängen als in einem grossen neuen Stadion ohne Fans.
Heute Abend gegen Wil wird die Unterstützung der Zuschauer wieder nötig sein, wenn am Ende gejubelt werden soll.
Matchzeitung Nr. 8 (2026/27) lesen
Dieser Artikel ist am 6. November 2026 in der Ausgabe Nr. 8 (Saison 2026/27) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Wil 1900 erschienen.





