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Während zehn Jahren waren sie die vertrauten Gesichter im Stadion-Restaurant. Nun treten Heiri und Els Hediger ihren wohlverdienten Ruhestand an, auch wenn ihnen der Abschied nicht einfach fällt.

Auf Heiri Hediger übte der Fussball schon immer eine grosse Faszination aus. Doch der Wunsch, in der Jugend einem Verein beitreten zu können, stiess zu Hause auf Ablehnung. Sein beruflicher Werdegang startete dafür mit einer Kochlehre in der damaligen Hochburg des Schweizer Fussballs – in La Chaux-de-Fonds. «Die französische Küche war damals sehr angesagt und überdies konnte ich so die Sprache erlernen», erinnert sich Heiri. Der örtliche Verein im Neuenburger Jura war in den 1950er-Jahren überaus erfolgreich, mit zwei Meistertiteln und vier Cupsiegen. Im Hotel, in welchem Heiri seine Lehre absolvierte, war auch der Trainer des FC La Chaux-de-Fonds einquartiert. «Mit den Fussballstars trafen wir uns oft in der Badi zum Kicken.» Der Arbeitnehmerverband im Gastgewerbe mit dem damaligen Namen Union Helvetia führte eine eigene Fussball-Meisterschaft durch. Heiri schloss sich dem heimischen Team an und reiste mit seinen Berufskollegen in Bussen jeweils an die Auswärtsspiele in der ganzen Schweiz.

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Im Jahr 1960 kehrte er nach Buchs zurück und liess sich von seinen Kollegen dazu überreden, dem FC Buchs beizutreten. Heiris Talent blieb dabei nicht unentdeckt, sodass zur Saison 1966/67 der Wechsel zum FC Aarau erfolgte. Im ambitionierten Nationalliga-B-Team gab es auf der Libero-Position allerdings kein Vorbeikommen an Routinier Paul Stehrenberger, dem späteren Trainer der Aufstiegsmannschaft 1981. Nach einem Jahr im Brügglifeld – und dem Highlight, einem 2:1-Sieg vor 9000 Zuschauern gegen den NLB-Meister FC Luzern – wechselte Heiri zusammen mit dem damaligen Erfolgscoach Ernst Bürgler vom FCA zum FC Wohlen. Später schloss sich der Buchser dem FC Brugg an, wo er seine Aktivlaufbahn nach einem Fussbruch beendete.

«Mit den Fussballstars trafen wir uns oft in der Badi zum Kicken.»

Heiri Hediger, über seine Jugend in La Chaux-de-Fonds

Im Dezember 1971, also vor genau 50 Jahren, gaben sich Heiri und Els Hediger auf dem Standesamt das Ja-Wort. Els, eine gebürtige Winterthurerin, erinnert sich an ihre ersten Berührungspunkte mit dem Fussball: «Ich musste jeweils mit meinem Vater und meinem Bruder auf die Schützenwiese», sagt sie mit einem Lächeln. 1973 wurden die Hedigers Eltern von Sohn Andreas. Bald zeigte sich, dass die Fussballer-Gene weitergegeben wurden. «Anfang der 1980er-Jahre wirteten wir im ‹Leue› in Laufenburg. Ich fuhr Andy jeweils zum Bahnhof, wo er ins Postauto nach Aarau stieg. Dort nahm ihn Trainer Schauss in Empfang fürs Training. Und ich war glücklich zu wissen, dass er in guten Händen ist», blickt Els zurück.

Andy bestritt später mehrere Junioren-Länderspiele und erhielt einen Profivertrag beim FC Aarau. Ein Teileinsatz im Cup gegen Buochs sowie Freundschaftsspiele gegen Sampdoria Genua und den VfB Stuttgart ragen aus dieser Zeit heraus, bevor er von einem Kreuzbandriss arg zurückgeworfen wurde. Später setzte er seine Karriere beim FC Sursee (NLB mit Trainer Charly Herberth) und beim FC Schötz (Viertelfinal im Schweizer Cup) fort. Danach konnte Andy als Coach einige Erfolge im Regionalfussball feiern und trainiert inzwischen den 3.-Ligisten FC Beinwil am See.

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Ein Höhepunkt in Heiris beruflicher Karriere war, als er 1989 Diego Maradona bekochen durfte. Heiris damaliger Arbeitgeber war Hubert Stöckli, der als Präsident des FC Wettingen vor dem Europacupspiel gegen den SSC Napoli in einem seiner Gastrobetriebe einen Anlass mit Sponsoren und dem argentinischen Weltstar arrangieren konnte.

Vor rund 15 Jahren durfte erstmals auch das Brügglifeld-Publikum von der reichen gastronomischen Erfahrung des Ehepaars Hediger profitieren. Angefangen mit Einsätzen am Stand, wo Fischknusperli und Chicken Nuggets angeboten wurden, intensivierte sich mit der Zeit die Zusammenarbeit zwischen der Caterer-Familie Rufer und den Hedigers. So übernahm Els schliesslich die Bewirtung im Stadion-Restaurant, während Heiri für die Verpflegung in den Clubräumen und im VIP-Zelt verantwortlich war und für die Mannschaft kochte.

«Das hat uns jung gehalten.»

Els Hediger, über die Arbeit beim FC Aarau

Der Kontakt zu Spielern und Staff war für Heiri und Els besonders schön. «Das hat uns jung gehalten», sagt Els, nicht ohne zu erwähnen, dass Heiri in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern durfte. Sie mochte besonders Marco Thaler und Mats Hammerich, «aber eigentlich waren immer alle sehr nett und dankbar. Manchmal habe ich dem einen oder anderen gezeigt, wie er das Besteck auf den Teller legen muss, damit ich weiss, ob er noch einen Nachschlag möchte.»

Nachdem bereits zu Beginn der Saison ein fliessender Übergang stattfand und die Hedigers seither «nur» noch für das leibliche Wohl an den Teamessen vor einem Spiel sorgten, soll nun mit dem letzten Match dieses Jahres endgültig Schluss sein. Dem Ehepaar, das seit 20 Jahren in Muhen zuhause ist und seine Freizeit gerne auf dem Campingplatz in Beinwil am See verbringt, sei der Ruhestand von Herzen gegönnt.

Alles Gute, Els und Heiri!

Matchzeitung Nr. 10 (2021/22) lesen

Dieser Artikel ist am 17. Dezember 2021 in der Ausgabe Nr. 10 (Saison 2021/22) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den Neuchâtel Xamax FCS erschienen.

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