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Nach dem Transfer zum FC Aarau brauchte Shkelqim Vladi kaum Anlaufzeit - sieben Skorerpunkte in zehn Spielen sind seine stolze Bilanz in der Rückrunde.

Angesprochen auf typische Fussballer-Klischees wie das Interesse an schnellen Autos, teurer Markenkleidung und ein wenig Eitelkeit, grinst Shkelqim und muss zugeben, dass auch er diesen irgendwann mal entsprechen könnte. Anderen Vorstellungen wie «ständig an der Playstation» zu zocken dafür überhaupt nicht. Lieber geht er an einem freien Nachmittag unter die Leute. Trifft sich mit Mannschaftskollegen in Aarau zum Essen oder auf einen Kaffee, besucht die Familie in Thun oder erholt sich in seinem Appartement vom Training. Einen Kaffee trinken, das machen wir jetzt auch und dabei erzählt «Shkelä», wie er von seinen Freunden genannt wird, von sich und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: «Zuhause sagen mir viele auch ‹Shkeli›, aber so einen habt ihr in Aarau ja schon.»

Eine Familienbande, die zusammenhält

Als jüngstes von fünf Kindern wuchs Shkelqim gut behütet im Berner Oberland auf. Ein bisschen verwöhnt wurde er als Jüngster, zumindest sähen das seine Geschwister so, wie er schmunzelnd verrät. In der Grossfamilie war und ist noch heute immer viel los. Seine Eltern stammen aus dem Kosovo und unterstützen ihren Sohn bedingungslos, und auch die Geschwister sind immer füreinander da. Der 21-Jährige ist ein absoluter Familienmensch. Er ist oft und gerne zuhause bei den Eltern in Thun. Mit der Familie etwas unternehmen, mit den Neffen und Nichten herumtollen und spielen, die Zeit zusammen geniessen. Man merkt schnell, er ist mit seiner Familie stark verbunden und ist ihr dankbar für den kostbaren Support. Es ist die Familie, die ihm in der Saison 2018/19 nach einer Verletzung Halt gab, ihn mental wieder aufbaute, wenn er Zweifel hatte und ungeduldig wurde. Seine älteren Brüder waren es auch, die den kleinen Knirps schon früh auf den Fussballplatz mitnahmen und ihn so an den Sport, der ihn in seinem weiteren Leben so stark begleiten wird, heranführten.

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Shkelqim Vladi spielte in der Hinrunde für Yverdon. Hier gegen Léon Bergsma.

Shkelqim durchlief den Kinder- und Juniorenfussball vom FC Rot-Schwarz Thun und Dürrenast über den FC Thun bis schliesslich zu den Berner Young Boys. Bei Letzteren erhielt er kurz vor seinem 21. Geburtstag seinen ersten Profivertrag bis 2023. Zwei Kreuzbandrisse in jungen Jahren verhinderten einen früheren Karriereschub und liessen den jungen Thuner auch mal zweifeln. Umso wichtiger war ihm die solide Ausbildung abseits des Spielfeldes, so quasi für den Fall der Fälle. Shkelqim absolvierte die Sportschule mit anschliessendem Praktikum und erlangte so das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Kaufmann. Nebst der Berufserfahrung im Praktikum bei einem Vertreiber für Hörgeräte half er auch im Geschäft seines Bruders, einem Maler- und Gipserbetrieb, mit. Berufswunsch Nummer 1 war und blieb aber Fussballer, und so kämpfte er sich nach dem Rückschlag durch die Verletzung mit Geduld, Wille und hartem Training zurück auf den Rasen. «Ich wollte denen, die nicht an mich geglaubt haben, beweisen, dass ich es schaffen kann.» Er schaffte es und kämpfte sich zurück.

«Ich helfe dem Team mit meiner Ausstrahlung, meiner physischen Präsenz und im besten Fall natürlich mit einem Goal.»

Shkelqim Vladi, über seine Stärken

Es überrascht nicht, dass er Cristiano Ronaldo zum Vorbild hat. «Ronaldo wurde nicht nur durch Talent, sondern vielmehr durch seine harte Arbeit zu dem, was er heute ist. Er ist der Beste und er interessiert sich nicht dafür, was andere sagen, sondern macht einfach sein Ding.»

Sein Bestes geben, das will auch Shkelqim Vladi, und dafür arbeitet er diszipliniert. Ist er zwar vor und nach dem Training zu jedem Spass aufgelegt, gilt es im Training konzentriert und fokussiert das Ziel nie aus den Augen zu verlieren. «Ich weiss, wann es darauf ankommt, und nehme mich in dem Moment zurück.» Der 1,84 m grosse Angreifer ist athletisch, antrittsschnell und körperlich robust. Er will sich aktiv in die Mannschaft einbringen. Beim Torabschluss wirkt er sehr abgeklärt, was er selbst auch als eine seiner Stärken bezeichnet. «Ich will immer mein Bestes zu geben. Mit dem Team in Führung gehen oder halt einen Rückstand aufholen. Ich helfe dem Team mit meiner Ausstrahlung, meiner physischen Präsenz und im besten Fall natürlich mit einem Goal.»

Seit drei Monaten beim FC Aarau

Shkelqim hat sich in Aarau gut eingelebt und integriert. Es ist schön zu hören, dass es ihm offenbar auch leicht gemacht wurde. «Ich wurde von allen sehr gut aufgenommen, Mitspieler, Trainer, Sportchef, Staff – alle waren von Anfang an gut zu mir. Mein Wechsel verlief ja sehr schnell und trotzdem war alles bereit und sehr gut organisiert.»

Aus der gemeinsamen Zeit bei YB ist Shkelqim mit Abwehrspieler Jan Kronig befreundet, ansonsten kannte er niemanden so richtig. Das hat sich in dieser kurzen Zeit rasch geändert, er hat gut Anschluss gefunden und versteht sich mit seinen Teamkollegen auch neben dem Platz sehr gut. Wobei es wirklich schwer sein dürfte, sich nicht mit Shkelqim zu verstehen. Er geht offen und herzlich auf die Menschen zu und seine lockere und aufgestellte Art hat etwas Ansteckendes.

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Shkelqim Vladi auf dem Weg zum Brügglifeld

Der FC Aarau als Club gefällt ihm gut und er fühlt sich wohl. Der Zusammenhalt und die Unterstützung von Team, Staff, aber auch der Fans imponiert ihm. «Dass die Fans hinter uns stehen und uns auch nach einem verlorenen Spiel pushen und anfeuern, dies zahlreich auch bei Auswärtsspielen, ist nicht selbstverständlich und für uns Spieler enorm wichtig.»

Und es beruht auf Gegenseitigkeit. Beim FC Aarau schätzt man Shkelqim als Spieler und als Menschen sehr. Sandro Burki ist voll des Lobes für den jungen Stürmer. Er sei ein guter Typ, sehr umgänglich und habe einen tollen Charakter. «Er ist gut im Abschluss, physisch stark, ist schneller als man denkt und arbeitet viel, professionell und zielstrebig. Er hat grosse Qualitäten als Stürmer und bringt vieles mit, um eine schöne und gute Karriere zu machen», äussert sich der Sportchef über die YB-Leihgabe.

Ein weiteres Highlight wartet hoffentlich

Shkelqims bisheriges fussballerisches Highlight war der Aufstieg mit der U21 des BSC Young Boys in die Promotion League im Juni 2021. Eine Hürde, an welcher die Berner zuvor während vieler Jahre gescheitert waren. Der Aufstieg mit dem FC Aarau von der Challenge League in die Super League wäre da natürlich nochmals eine schöne Steigerung.

Es passt, dass am Abend unseres Gesprächs das Testspiel Schweiz–Kosovo läuft und unentschieden endet. Auch Shkelqim Vladi ist ein Spieler, der sich beiden Ländern zugehörig fühlt. Bis jetzt musste er sich auf dem Fussballplatz noch nicht entscheiden. Einmal klopfte der kosovarische Fussballverband zwar an und bekundete Interesse am damals 19-Jährigen. Doch Shkelqim wollte sich so kurz nach der Verletzung erst wieder auf den regulären Fussballbetrieb konzentrieren, richtig fit werden und seine Position festigen. Aus heutiger Sicht der richtige Entscheid, er ist mental und körperlich in Topform. Und wer weiss, vielleicht ist er ja unterdessen wieder auf dem Radar, für den Kosovo oder für die Schweiz.

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Shkelqim Vladi jubelt über seinen ersten Treffer im FCA-Trikot

Drei Tage nach dem Interview-Termin war das Spiel beim FC Wil sowohl für den FC Aarau als auch für Shkelqim Vladi ein Wechselbad der Gefühle. Dreimal vermochte das Keller-Team einen Rückstand aufzuholen. Vladi erzielte das Tor zum 1:1-Ausgleich in überzeugender Manier und gehörte zu den besten Spielern auf dem Platz. Leider musste er zwei Minuten vor Donat Rrudhanis 4:3-Siegtreffer das Terrain mit einer Verletzung am rechten Oberschenkel verlassen. Der Stürmer wird dem FC Aarau dadurch in den kommenden Partien nicht zur Verfügung stehen können. Gute Besserung, Shkelqim!

Matchzeitung Nr. 16 (2021/22) lesen

Dieser Artikel ist am 8. April 2022 in der Ausgabe Nr. 16 (Saison 2021/22) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Winterthur erschienen.

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