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Nach seiner Rückkehr erzielte er Tore am Laufmeter, sodass auch die Erwartungen an Mickaël Almeida in die Höhe schossen. Im Gespräch mit «HEIMSPIEL» gewährt er Einblicke in seine Gefühlswelt.

Mickaël Almeidas Karriere lässt sich als etwas «unhandlich» beschreiben. Lange wurde er von Beratern herumgeschoben, mit falschen Versprechungen gelockt und wurde nicht glücklich. Sei es 2017, als er von der Juniorenmannschaft von Olympique Lyon eigentlich nach Neapel sollte und dann im U21-Team von Sion landete, oder 2019, als ein Transfer nach Osteuropa in Aussicht gestellt wurde und er sich stattdessen beim FC Chiasso wiederfand. Dazwischen, in der Saison 2018/19, wurde der portugiesische Stürmer vom FC Sion an den FC Aarau ausgeliehen. Seit Anfang dieses Jahres ist Almeida zurück im Brügglifeld. Zuerst als Leih-Spieler von Chiasso, seit Saisonbeginn mit einem Mehrjahres-Vertrag beim FC Aarau.

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Almeida wechselte im Februar 2021 gemeinsam mit Bastien Conus von Chiasso zu Aarau

In der Rückrunde der Saison 2020/21 erzielte Mickaël zehn Tore – acht in der Meisterschaft, zwei im Schweizer Cup. Aktuell trifft er nicht, und das ärgert ihn. «Mein Job besteht darin, Tore zu schiessen», ist sich Almeida bewusst. Warum es nicht klappt und weshalb Aarau zuletzt nur selten gewann, kann er sich auch nicht so recht erklären. Die Liga sei in dieser Saison besser geworden. Die gegnerischen Teams lägen stärkemässig näher beieinander. «In der Rückrunde konnten wir die Gegner mit unserer Spielweise überraschen. Inzwischen kennen sie uns und unser System, können uns so besser einschätzen und sich entsprechend vorbereiten.

«Die harte Arbeit wird sich auszahlen. Wir müssen auf uns als Team, auf unser Können und unsere Arbeit vertrauen.»

Mickaël Almeida, über diese Saison

Als Beispiel: Letzte Saison musste ich mich im Sturm gegen vier Gegenspieler durchsetzen. Jetzt stehen mir oftmals fünf Mann entgegen. Da ist es klar, dass es schwieriger ist.» Mickaël ist fokussiert, für ihn gibt es nur eines: Tore schiessen. Angst vor Verletzungen habe er keine. Das sei nicht seine Mentalität, Angst zu haben. Er schaue nur nach vorne. Im Training arbeite er hart. Die ganze Mannschaft arbeite viel und intensiv. Er ist sich sicher: «Die harte Arbeit wird sich auszahlen. Wir müssen auf uns als Team, auf unser Können und unsere Arbeit vertrauen.»

Nachbarschaft mit Léon Bergsma

Er lobt den Zusammenhalt in der Mannschaft. «Wir sind ein Team. Wir gehen gemeinsam bis zum Ende.» Auch nach einem verlorenen Spiel bleibe man respektvoll zueinander. Natürlich gebe man sich Rückmeldungen zu einzelnen Szenen. Und Mickaël macht klar, was ihm wichtig ist: «Kritik ist gut, aber fundiert und konstruktiv muss sie sein.» Zeitungsberichte oder Online-Kommentare über Spiele oder über seine Leistung liest er nicht. «Diesbezüglich bin ich froh, dass mein Deutsch dafür noch nicht ausreicht. Ich verstehe den Ärger der Fans nach einem verlorenen Spiel ihrer Lieblingsmannschaft, aber die Absender solcher Kommentare sehen die Arbeit nicht, welche die Spieler jeden Tag verrichten und sehen immer nur eine Momentaufnahme. Die Saison ist noch lange nicht fertig.»

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Almeida erzielte bislang 18 Tore (57 Spiele) im FCA-Trikot

Im Team hat er vor allem in León Bergsma und Bastien Conus gute Freunde gefunden. Mit ihnen trifft er sich auch gerne mal ausserhalb des Brügglifelds. León und Micka – wie er von seinen Kollegen genannt wird – sind Nachbarn. Da bringt der eine dem anderen auch mal etwas vom Einkaufen mit oder man hilft sich aus, wenn mal wieder etwas im Haushalt fehlt. «León und ich sind halt beide fremd hier, das schweisst automatisch zusammen und man unterstützt sich gegenseitig.»

«Ihn einmal zu treffen, das wäre der Wahnsinn!»

Mickaël Almeida, über Lionel Messi

Ein weiterer Ausgleich zum Fussball findet Mickaël in der Natur. «Aarau hat eine wunderschöne Umgebung. Ich bin viel im Wald und geniesse die Stille.» Das passt zu ihm. Seine Teamkollegen würden ihn nach eigenen Angaben als «der Ruhige» bezeichnen. «Ich bin eher zurückhaltend und war noch nie so der Clown.» Und Fussball schaut er natürlich oft. Der FC Liverpool mit seinem schnellen Fussball und der FC Barcelona sind seine Lieblingsvereine. Lionel Messi ist sein Idol. «Ihn einmal zu treffen, das wäre der Wahnsinn!»

«Zuhause ist, wo die Familie ist»

Sein Heimatland Frankreich vermisst er nicht. Seine Freunde seien sowieso überall auf der Welt verstreut. Er habe hier alles, was er brauche. Oder fast alles. Das Einzige, was ihm so wirklich für ein «Zuhause-Gefühl» fehlt, sind seine Freundin und die Familie. «Zuhause ist, wo die Familie ist.» Sicher einmal pro Monat bekommt er Besuch aus der Heimat. Corona machte gegenseitige Besuche komplizierter und er hofft daher inständig, dass es nicht wieder zu Reise-Einschränkungen kommt.

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Gemeinsamer Torjubel mit Raoul Giger und Randy Schneider

Da erstaunt es nicht, dass sich Mickaël bereits sehr auf Weihnachten freut. Die Augen leuchten auf, als er erzählt, wie er die Feiertage bei seiner Familie in Frankreich verbringen wird. «Weihnachten ist bei uns immer ein grosses Fest, ganz klassisch mit Verwandtschaft, feinem Essen – oh, es wird so viel Essen geben – und Geschenken.» Was er sich wünscht? «Ich habe nicht so Geschenke-Wünsche. Ich möchte endlich wieder Tore schiessen. Und dann natürlich mit Aarau den Aufstieg in die Super League schaffen.»

Und ganz beiläufig beim Verabschieden erzählt Mickaël, dass er heute Nachmittag noch Unterricht habe. Unterricht? Seit eineinhalb Jahren besucht er einen Online-Lehrgang an einer französischen Hochschule. Studienrichtung Recht. Eine solide Ausbildung sei wichtig. Vorsorgen für nach der Karriere. Aber für die nächsten Jahre will er Fussballspielen. Fussballspielen und Tore erzielen.

Matchzeitung Nr. 9 (2021/22) lesen

Dieser Artikel ist am 3. Dezember 2021 in der Ausgabe Nr. 9 (Saison 2021/22) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Winterthur erschienen.

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