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Unser Assistenztrainer Petar Alexandrov spricht vor dem Halbfinal gegen den FC Luzern über das aktuelle Cupfieber, die Effizienz seiner Schützlinge und seine eigene Vergangenheit als Spieler bei beiden Clubs.

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Petar, welchen Stellenwert hat für dich der nationale Pokalwettbewerb generell?

Marcel Petermann

Der Cup hat seinen speziellen Reiz. Das Aufeinandertreffen von Clubs unterschiedlicher Ligen bringt immer eine besondere Brisanz mit sich. Und es ist der kürzeste Weg, einen Pokal zu gewinnen. In meiner bisherigen Karriere ist mir dies erst einmal gelungen. 1994, nach meinem leihweisen Wechsel vom FC Aarau nach Bulgarien, gewann ich mit Levski Sofia das Double. Mein allererstes Spiel für den neuen Verein war der Halbfinal, in welchem ich gegen einen Club aus der zweithöchsten Liga innert vier Minuten drei Tore erzielte. Wie ich kürzlich vernommen habe, ist das noch immer der schnellste Hattrick, der jemals im bulgarischen Profifussball erzielt worden ist.

Petar Alexandrov

Du bist zwar mit dem FC Aarau sensationell Schweizer Meister geworden, aber die Cup-Bilanz in deinen Jahren als Spieler im Brügglifeld ist ziemlich bescheiden, mit nur gerade fünf Einsätzen und zwei Siegen...

Marcel Petermann

Ja, irgendwie wollte es damals nie klappen. Wenn ich mich richtig erinnere, gelangen mir einmal zwei Tore gegen Bellinzona, aber ansonsten blieb ich glücklos mit Aarau in diesem Wettbewerb. In der Meistersaison führten wir im Sechzehntelfinal gegen GC dank eines Tores von Roberto Di Matteo bis kurz vor Schluss mit 1:0, gingen dann aber trotzdem noch als Verlierer vom Feld.

Petar Alexandrov
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Alexandrov war mit 19 Toren massgeblich am FCA-Meistertitel in der Saison 1992/93 beteiligt.

Dafür bist du 1997 mit dem FC Luzern im Cupfinal gestanden und hattest den Pokal schon fast in den Händen. Was sind deine Erinnerungen an dieses verrückte Endspiel gegen Sion, das mit 7:8 nach Penaltyschiessen verloren ging?

Marcel Petermann

Sion war damals sehr stark. Mit einem Sieg konnten sie zum dritten Mal in Folge den Cup gewinnen und zudem das Double feiern. Trotzdem hielten wir sehr gut dagegen, obwohl wir uns als Teilnehmer der Auf-/Abstiegsrunde für den Final qualifizierten. Ich hatte im Frühling mein Comeback nach einem Kreuzbandriss gegeben, konnte zwar der Mannschaft mit einigen Toren helfen, den Ligaerhalt zu schaffen, aber im Vollbesitz meiner Kräfte war ich noch nicht. So wurde ich in der 75. Minute beim Stand von 3:2 ausgewechselt. Zwei unserer Tore erzielte übrigens der aktuelle Präsident des FC Luzern, Stefan Wolf. Leider mussten wir dann kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit noch den Ausgleich hinnehmen. Trotz dieser Enttäuschung erinnere ich mich gerne an dieses Spiel und die tolle Ambiance im vollen Wankdorf-Stadion.

Petar Alexandrov

Wie viel Cup-Atmosphäre verspürst du vor dem bevorstehenden Halbfinal in deinem Umfeld?

Marcel Petermann

Der Cup ist bei uns allen sehr präsent, spätestens seit wir uns für dieses Spiel qualifiziert haben. Ich werde auch viel darauf angesprochen. Die Partien gegen Luzern hatten schon immer diesen besonderen Derbycharakter. Natürlich ist es sehr bitter, dass nur ganz wenige Zuschauer bei diesem grossen Match vor Ort sein können. Aber immerhin dürfen wir die ganze Unterstützung der Fans im Stadion für uns beanspruchen.

Petar Alexandrov
«Der FC Aarau bedeutet mir sehr viel. Das ist schwer mit Worten auszudrücken. Aarau ist meine Heimat - der FC Aarau ist meine Heimat. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass es nach vielen Jahren doch noch geklappt hat mit der Rückkehr.»

Petar Alexandrov, über den FC Aarau

Du bist im August 2018 als Assistenztrainer ins Brügglifeld zurückgekehrt. Was bedeutet dir dieser Verein?

Marcel Petermann

Er bedeutet mir sehr viel. Das ist schwer mit Worten auszudrücken. Aarau ist meine Heimat – der FC Aarau ist meine Heimat. Ich bin sehr glücklich und dankbar, dass es nach vielen Jahren doch noch geklappt hat mit der Rückkehr. Inzwischen war ich in irgendeiner Funktion fast für die halbe Super League tätig (GC, Luzern, St. Gallen, Zürich, Red.), aber mein Wunsch war es immer, wieder hier arbeiten zu dürfen. Es gibt wohl keinen anderen ehemaligen FCA-Spieler, der so viele Partien im Brügglifeld mitverfolgt hat wie ich. Auch als ich noch selber aktiv war, war ich immer vor Ort, sofern es der Spielplan zuliess. Auf der Tribüne sass ich jeweils neben dem inzwischen leider verstorbenen Ernst Brunner. Er war es, der mich 1991 als damaliger Transferchef zum FC Aarau geholt hatte. Ihm habe ich sehr viel zu verdanken.

Petar Alexandrov

Wie erwähnt, hast du auch eine Vergangenheit bei unserem heutigen Cup-Gegner FC Luzern. Im FCL-Dress wurdest du 1996 Torschützenkönig in der damaligen Nationalliga A. Wie hast du diese Zeit in der Zentralschweiz erlebt?

Marcel Petermann

Ich habe sehr schöne Erinnerungen an diese zweieinhalb Jahre als Spieler, aber auch an die ebenso lange Zeit als Assistenztrainer von Rolf Fringer beim FCL. Damals wurden wir engagiert, als der Club die Saison 2008/09 mit zwei Punkten aus zwölf Spielen begonnen hatte. Via Barrage gelang es uns, den Ligaerhalt zu schaffen, und im Folgejahr qualifizierten wir uns für den Uefa-Cup. Die Stimmung auf der Allmend war grossartig. Ich habe noch heute viele Kontakte nach Luzern. Auch bin ich mit den ehemaligen FCA-Spielern Varol Tasar und Yvan Alounga in regem Austausch. Es freut mich, wie die beiden ihren Weg gemacht haben und gratuliere ihnen jeweils zu persönlichen Erfolgen. Aber natürlich hoffe ich, dass sie gegen uns nicht ihr bestes Spiel machen werden.

Petar Alexandrov
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Doppeltorschützen unter sich: Alexandrov im FCL-Trikot mit Marcel Heldmann nach dem 2:2-Unentschieden im März 1996.

Die Offensive des FC Aarau ist zwar für die meisten Tore in der Brack.ch Challenge League besorgt. Trotzdem machte uns oftmals die mangelnde Effizienz zu schaffen. Wie kannst du deinen Spielern diesbezüglich Unterstützung bieten?

Marcel Petermann

Das Gute ist, dass wir uns überhaupt so viele Torchancen erarbeiten. Im Abschluss fehlt es den jungen Spielern manchmal an der Erfahrung, die richtige Entscheidung zu treffen. Ich versuche, ihren Instinkt zu schärfen. In den Trainings appelliere ich immer wieder daran, dass sie die Aktionen antizipieren sollen und mitlaufen, um im entscheidenden Moment parat zu sein. Als Stürmer erzielte ich in meiner Karriere über 200 Tore. Treffer von ausserhalb des Strafraums waren bei mir fast an einer Hand abzuzählen, aber ich stand meist dort, wo ein Stürmer sein muss, wenn es zählt. Das kann man trainieren. Speziell glücklich bin ich über die Entwicklung von Mickaël Almeida. Mit ihm habe ich viel gearbeitet in seiner ersten Zeit in Aarau. Seine Leistungssteigerung im Vergleich zur vorletzten Saison ist eindrücklich.

Petar Alexandrov

Was spricht dafür, dass der FC Aarau den oberklassigen FC Luzern bezwingt und in den Cupfinal einziehen wird?

Marcel Petermann

Ich bin mir sicher, dass wir ein sehr gutes Spiel machen werden. Es ist eine riesige Chance, den Final zu erreichen. Und ich spüre, dass unsere Spieler gierig und bereit sind. Deshalb bin ich überzeugt, wir werden gewinnen.

Petar Alexandrov

Matchzeitung Nr. 20 (2020/21) lesen

Dieser Artikel ist am 4. Mai 2021 in der Ausgabe Nr. 20 (Saison 2020/21) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Luzern erschienen.

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