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Der bald 18-jährige Silvan Schwegler ist auf und neben dem Platz bereits erstaunlich abgeklärt. Nach einem «Flirt» mit dem SC Freiburg scheint die nahe Zukunft für den Oftringer weiterhin im Brügglifeld zu liegen.

Sollte Silvan Schwegler gegen den FC Vaduz zum Einsatz kommen, wäre dies sein 27. Pflichtspiel im FCA-Dress. Der Rekord ist ihm aber bereits gewiss: Nie in den letzten 40 Jahren hat ein Aarauer Spieler vor seinem 18. Geburtstag so viele Ernstkämpfe im Fanionteam bestritten wie der junge Oftringer, der am 4. September seine Volljährigkeit erreichen wird.

«Wir sind zuversichtlich, den Vertrag mit ihm in den kommenden Tagen verlängern zu können.»

Sandro Burki, Sportchef

Wenige Tage vor dem geplanten Treffen mit HEIMSPIEL stand Silvan erstmals in den Schlagzeilen, als in den Medien über einen sofortigen Wechsel zum Bundesligisten SC Freiburg spekuliert wurde. «Der Zeitpunkt war etwas unglücklich, da wir gleichentags das Meisterschaftsspiel in Thun hatten. Ich erhielt viele Reaktionen, einige gratulierten mir bereits zum Wechsel. Ich musste dann klarstellen, dass es sich hier um eine Falschmeldung handelte», erklärt der talentierte Mittelfeldspieler. Tatsache ist, dass die Breisgauer die Entwicklung von Silvan über einige Monate verfolgten und ihn im Juni – in Kenntnisnahme des FC Aarau – einluden, die Infrastruktur des Vereins vor Ort kennenzulernen. Ein Transfer ist für den Moment jedoch vom Tisch. «Wir konnten Silvan überzeugen, unseren Weg gemeinsam weiterzugehen, und sind zuversichtlich, den Vertrag mit ihm in den kommenden Tagen verlängern zu können», sagt Sandro Burki.

Vier talentierte Schwegler-Brüder

Genau wie der Aarauer Sportchef erlernte auch Schwegler die Grundlagen des Fussballs beim FC Oftringen. Der Verein ermöglichte Silvan damals die Teilnahme an Stützpunkttrainings, in welchen der FCA auf ihn aufmerksam wurde. Seit der U11 kickt er nun im Brügglifeld.

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Im Hause Schwegler in Oftringen ist das Thema Fussball allgegenwärtig. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da auch die drei Brüder von Silvan diese Sportart ausüben. Der älteste, Marco (19), spielte bis zur U18 im Team Aargau und geht inzwischen für den SC Zofingen in der 2. Liga interregional auf Torjagd. Der 16-jährige Loris hat nun seinerseits als linker Aussenverteidiger den Sprung in die U18 geschafft, während Timo (12) in der U14 des FC Aarau spielt. Patricia (25) und Luana – die Zwillingsschwester von Loris – komplettieren zusammen mit den Eltern die grosse Familie.

«Ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen»

«Es war schon immer mein Traum, Profi zu werden. Es reicht aber nicht, nur daran zu glauben, du musst vor allem dafür arbeiten. Ein Meilenstein für mich war sicher, als ich beim Restart nach dem Lockdown Ende Mai 2020 mit der 1. Mannschaft mittrainieren konnte», erinnert sich der KV-Lehrling, der in sein letztes Ausbildungsjahr bei der Vanoli AG in Zofingen gestartet ist. Die Firma ist spezialisiert auf Gleisbau. «Ich bin dort zurzeit im Personalwesen tätig. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich. Ich organisiere Weiterbildungen und Lerntools für Mitarbeitende oder erstelle Aufgebote.» Mit der Schule und seinem Lehrbetrieb ist vereinbart, dass Silvan sämtliche Trainings mit der Mannschaft absolvieren kann. Wenn er sein halbtägiges Pensum im Büro nicht bewältigen kann, kompensiert er dies an trainingsfreien Tagen.

«Es brauchte schon etwas Umgewöhnung, nicht mehr in einem Team mit gleichaltrigen Kollegen zu sein, sondern mit älteren Spielern, die zum Teil auch andere Auffassungen haben als wir Jungen. Aber das hat sich rasch eingependelt.»

Silvan Schwegler, Mittelfeldspieler

Wie schwierig ist es, Schule, Lehre und Fussball unter einen Hut zu bringen? «Es ist sicher nicht einfach und erfordert viel Disziplin. Wenn meine Teamkollegen am Regenerieren sind, bin ich am Arbeiten oder Lernen. Und wenn ich unter der Woche nach Mitternacht von einem Auswärtsspiel heimkehre, muss ich am nächsten Tag gleichwohl wieder früh aufstehen.» Aber Silvan ordnet seiner grossen Leidenschaft alles unter: «Ich habe auch nicht das Gefühl, etwas zu verpassen. In den Ausgang zu gehen, hat mir noch nie gross zugesagt und würde auch nicht drinliegen.» Der Zweitjüngste im aktuellen FCA-Kader (nach Devran Senyurt) bezeichnet sich als ruhiger Typ: «Als ich in die 1. Mannschaft kam, war ich aufgeregt und sehr zurückhaltend. Mit der Zeit konnte ich mich immer mehr öffnen. Es brauchte schon etwas Umgewöhnung, nicht mehr in einem Team mit gleichaltrigen Kollegen zu sein, sondern mit älteren Spielern, die zum Teil auch andere Auffassungen haben als wir Jungen. Aber das hat sich rasch eingependelt.»

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Zwei Monate, nachdem er ins Fanionteam aufgenommen wurde, folgte bereits Silvans Pflichtspiel-Premiere bei der 1:3-Niederlage in Wil am 24. Juli 2020. Acht Minuten nach seiner Einwechslung hätte er sich nach einem kernigen Distanzschuss fast den Eintrag als jüngster FCA-Torschütze seit Generationen gesichert, doch der Wiler Keeper wehrte mirakulös ab. So wartet «Schwegi», wie ihn die meisten Teamkollegen nennen, noch auf seinen ersten Treffer. «Es ist mein Ziel, mehr Skorerpunkte zu sammeln und vor allem, endlich zum ersten Mal zu treffen», zeigt er sich ehrgeizig. Mit den beiden Assists in den Partien gegen Neuchâtel Xamax und im Cup gegen Someo hat Silvan sein Vorhaben bereits zu einem guten Teil in Tat umsetzen können. Seine fussballerische Entwicklung beurteilt er so: «Ich bin mutiger geworden in meinem Spiel, auch nach vorne. Aber ich habe immer das Gefühl, dass ich mich noch verbessern kann. Wichtig ist auch, dass ich körperlich zulege. Dafür absolviere ich mehrmals pro Woche eine Einheit im Kraftraum und habe auch meine Ernährung optimiert, um den Muskelaufbau zu fördern.»

Aufregung vor dem ersten Spiel mit viel Publikum

Wenn dem Spieler mit der Rückennummer 19 ein wenig Freizeit bleibt, unternimmt er gerne etwas mit seiner Familie oder geht mit den Hunden spazieren. Auch besucht er nach Möglichkeit gerne ein Spiel seines Stammvereins FC Oftringen, um ehemalige Weggefährten zu treffen, oder er unterstützt seine Brüder bei ihren Auftritten. Als Kind stand Silvan oft bei den Heimspielen des FC Aarau auf der Stehrampe. Umso spezieller wars für ihn, vor knapp einem Monat beim ersten Auftritt in dieser Saison erstmals vor einer grösseren Kulisse im Brügglifeld auflaufen zu dürfen: «Ich empfand eine besondere Vorfreude, aber auch Aufregung vor diesem Spiel gegen Schaffhausen. Bei meiner Einwechslung konnte ich das Ganze aber gut ausblenden und war bestrebt, das Gewöhnliche aussergewöhnlich gut zu machen.»

«Ich kann aber noch immer mehr oder weniger unerkannt durch Aarau gehen. Ich habe ja auch noch nichts erreicht in meiner Karriere.»

Silvan Schwegler, Mittelfeldspieler

Und so rückt nun Silvan Schwegler immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. «Ich kann aber noch immer mehr oder weniger unerkannt durch Aarau gehen. Ich habe ja auch noch nichts erreicht in meiner Karriere, nicht wie ein Shkeli Gashi, der Nationalspieler, Torschützenkönig, Meister und Cupsieger war. Es kann rasch in eine andere Richtung gehen, wenn man sich nicht weiterentwickelt», zeigt sich der Youngster abgeklärt. Und gibt täglich alles dafür, um eines Tages in der Super League oder sogar mal in der Bundesliga auflaufen zu können.

Matchzeitung Nr. 3 (2021/22) lesen

Dieser Artikel ist am 27. August 2021 in der Ausgabe Nr. 3 (Saison 2021/22) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschienen.

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