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Unsere beiden Materialwarte Patrick Breinlinger und Christian Wehrli liefern einen Einblick in logistische Herausforderungen bei einem Auswärtsspiel.

Es ist Donnerstagnachmittag. Die 1. Mannschaft des FC Aarau ist mit dem Car unterwegs in die Südschweiz, wo sie am darauffolgenden Tag das Meisterschaftsspiel gegen den FC Chiasso bestreiten wird. Währenddessen herrscht im Waschraum des Stadions Brügglifeld emsiges Treiben. Patrick Breinlinger und Christian Wehrli legen die Utensilien aller aufgebotener Spieler fein säuberlich aus. Geordnet nach Rückennummer sortieren die beiden Materialwarte die Arbeitskleidung für das bevorstehende Spiel: je 18 Mal Trikot (in zweifacher Ausführung), Hosen, Tights, Stulpen, Socken, Unterleibchen, Einlaufshirt Kurzarm, Einlaufshirt Langarm, Regenjacke, GPS-BH zur Datenaufzeichnung, dazu ein Frotteetuch. Ist dieses Material einmal eingepackt, gehts weiter mit dem Bereitstellen weiterer Utensilien wie Jacken für die Ersatzspieler, Wolldecken, Überziehleibchen, Gymnastikmatten, Bälle, Ersatzmaterial, Masken, Desinfektionsmittel … Die Checkliste ist lang.

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Kleiderauswahl am Beispiel von Jérôme Thiesson

«Das Gepäck für den medizinischen Bereich, darunter eine Massageliege, Kisten mit Tapes und Medikamenten, ein Defibrillator sowie eine Kühlbox, ist bereits mit dem Mannschaftscar auf dem Weg ins Tessin, ebenso die Foodbox mit Riegeln, Reiswaffeln und Trockenfrüchten», erklärt Patrick Breinlinger, der seit 2010 im Innendienst des FC Aarau tätig ist und bereits in früheren Jahren verschiedenste Ämter im Club ausübte, sei es als Schiedsrichter, Juniorenbetreuer, Damenobmann oder Mitbegründer des FC Aarau Juniorencamps. Christian Wehrli – auch er bereits seit neun Jahren in der Wäscherei und als Materialwart für den FCA im Einsatz – ergänzt: «Würde die Mannschaft am Matchtag ans Auswärtsspiel reisen, nähmen wir noch das Essen für nach dem Spiel, das jeweils Stadionwirt Heiri Hediger kocht, mit. So aber wird die Mahlzeit vom Hotel, in welchem das Team übernachtet, bereitgestellt.»

Freitag - Matchtag

Patrick und Christian treffen um 11 Uhr im Brügglifeld ein. Anderthalb Stunden später nehmen die beiden mit dem Kleinbus die Fahrt nach Chiasso in Angriff. «An die meisten Auswärtsspiele reist nur einer von uns an, da wir in der Regel Unterstützung von Petar Alexandrovs Sohn Alex erhalten. Ihm war es aber aus beruflichen Gründen nicht möglich, die Reise ins Tessin mitzumachen», führt Patrick aus.

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Breinlinger in der Gästekabine in Chiasso

Am Nachmittag um vier Uhr trifft das Duo im Stadio Comunale Riva IV ein und beginnt, alles parat zu machen bis zur Ankunft der Mannschaft um 17.30 Uhr. Die Trikots werden in der Kabine aufgehängt, sodass gleich jeder Spieler seinen Platz finden wird. Die Wasserflaschen werden gefüllt. Etwas voluminöser sind die beiden Eistonnen, welche die Materialwarte samt Schlauch an jedes Spiel mitnehmen. Das Wasser füllen sie bereits ein, nach dem Spiel werden die zugefügten Eiswürfel für eine schnellere Regeneration der Akteure sorgen.

Während sich die Spieler auf dem Feld einlaufen, sorgen die Materialwarte dafür, dass in der Kabine wieder alles seine Ordnung hat. «Diese Arbeit wiederholt sich an einem Matchtag mehrere Male», betont Christian.

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Viel Wäsche am Ende eines langen Tages

Kurz vor 21 Uhr kehrt die Mannschaft nach verlorenem Spiel in die Kabine zurück. Der Frust sitzt tief bei den Spielern. Während die einen in sich gekehrt sind, analysieren andere mit einem Teamkollegen die 95 Minuten, welche ganz anders verlaufen sind, als sich dies die Aarauer vorgestellt hatten. Nach der Dusche gehts gestaffelt für einige Minuten in die Eistonnen. Anschliessend werden mit einer Portion Kalbsgeschnetzeltem mit Reis die Energiespeicher wieder aufgefüllt. Das Ganze verläuft sehr speditiv – alle sind froh, wenn die Heimreise bald angetreten werden kann. Um 21.45 Uhr können sich auch Patrick und Christian bereits auf den Weg nach Aarau machen.

Eine Dreiviertelstunde nach Mitternacht treffen sie im Brügglifeld ein. Das Material wird verstaut, und für drei Waschmaschinen gibt es eine Nachtschicht. Die saubere Kleidung wird dann am darauffolgenden Morgen Yolanda Wüest, die an drei bis vier Tagen pro Woche in der Wäscherei mithilft, wieder parat machen für den nächsten Einsatz. Für Patrick Breinlinger und Christian Wehrli geht um 1.30 Uhr ein langer Arbeitstag zu Ende. Immerhin winkt dafür wieder einmal ein freies Wochenende.

Matchzeitung Nr. 15 (2020/21) lesen

Dieser Artikel ist am 13. März 2021 in der Ausgabe Nr. 15 (Saison 2020/21) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Wil erschienen.

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