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Vor dem Saisonauftakt spricht unser Cheftrainer Stephan Keller über rosarote Zeiten, die Rückkehr der Fans und die Infrastrukturoffensive im Brügglifeld.

Stephan, die Vorbereitungszeit auf die neue Saison steht kurz vor dem Abschluss. Welches Fazit ziehst du aus den letzten fünfeinhalb Wochen?

Patrick Haller

Ich höre alle Trainer immer von «fantastischen Vorbereitungen» reden - und möchte deshalb einen anderen Ansatz wählen. Die Vorbereitungsphase ist nämlich eine rosarote Zeit, welche nicht echt ist. Es ist kein Tagesgeschäft in Bezug auf die geforderten Leistungen. Natürlich hat man viel Zeit, um die Fitness der Spieler zu stärken oder verschiedene Dinge einzuarbeiten, welche während der Saison aus Zeitgründen zu kurz kommen. Und natürlich will man gewisse Punkte auch in den Testspielen sehen - und trotzdem darf man sich davon weder in positiver noch in negativer Hinsicht blenden lassen. Wir wollen kein Trainingsweltmeister sein oder als Vorbereitungssieger bezeichnet werden. Vielmehr wollen wir eine Mannschaft, welche immer bereit ist, ihre Leistung abzurufen. Deshalb bin ich sehr froh, dass es nun losgeht. Endlich lüftet sich der Schleier, weil wir um Punkte spielen und uns im Tagesgeschäft beweisen müssen.

Stephan Keller

Was können die FCA-Fans am Samstag erwarten, wenn sie ins Brügglifeld kommen?

Patrick Haller

Ich möchte, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer merken, dass die meisten Spieler nun ein Jahr weiter sind und dass die Mannschaft zusammen weitergearbeitet hat. Dies soll sich durch eine Steigerung in Sachen Abgeklärtheit und Reife zeigen, aber auch durch die Verbesserung von Automatismen. Alle Dinge, welche wir in der letzten Saison noch nicht so gut gemacht haben, wollen wir nun einen Schritt besser machen.

Stephan Keller
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Jan Kronig spielt neu im FCA-Trikot

Was muss konkret besser werden?

Patrick Haller

Ein Fussballspiel durchläuft verschiedene Phasen während den 90 Spielminuten, welche es zu überstehen gilt. Unser verbessertes Verhalten in gewissen Spielphasen wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Dazu gehört natürlich, dass wir weniger Gegentreffer zulassen. Uns war bereits eine Steigerung im Vergleich zur Saison 2019/20 gelungen. Wenn wir eine solche prozentuale Verbesserung nochmals schaffen, werden wir aufsteigen. Auf der anderen Seite haben wir uns in der vergangenen Spielzeit mehr als 250 Torchancen erspielt, aber daraus «nur» 66 Treffer erzielen können. Hier sehe ich ein enormes Potenzial in unserer Mannschaft. Am Ende wird die Effizienz in beiden Strafräumen entscheidend sein.

Stephan Keller

Wir starten mit einem nahezu unveränderten Kader in die Saison - ist das ein Vorteil?

Patrick Haller

Diese Eingespieltheit war schon unser Ziel, als ich mein Amt vor einem Jahr angetreten habe. Damals haben wir uns klar gesagt, dass wir unsere Spieler über eine erste Saison hinaussehen wollen und das zweite Jahre mit den Kaderspielern, an welche wir glauben, in Angriff nehmen werden, ergänzt durch punktuelle Neuzuzüge. Dabei haben wir potentiellen Interessenten an unseren Akteuren auch wiederholt klar gemacht, dass wir nicht bereit sind, unsere Spieler zum Schnäppchenpreis abzugeben. Auf unserem Niveau ist «ausbauen» und «renovieren» - im Sinne von «verbessern» - immer besser als ständig wieder neue Objekte einzukaufen.

Stephan Keller
«Er hat sich in den letzten Monaten, als wir ihn beobachtet haben, weiter gesteigert - mit ihm kriegen wir einen linksfüssigen, variabel einsetzbaren Abwehrspieler für unser Kader. Ich bin überzeugt, dass er auch mit seinem tadellosen Charakter perfekt in die Mannschaft passen wird.»

Stephan Keller, über Jan Kronig

Bislang haben wir mit Verteidiger Jan Kronig (21) und Mittelfeldspieler Allen Njie (22) zwei Neuzugänge verpflichtet. Sind noch weitere Transfers geplant?

Patrick Haller

Das Transferfenster ist noch bis Ende August geöffnet. Wir haben den grössten Teil unserer Mannschaft zusammen und können einzelne Neuzugänge schnell integrieren. Ich möchte es offenlassen, welche Positionen bei uns noch pendent sind, aber ich bin überzeugt, dass wir die richtigen Entscheidungen zum passenden Zeitpunkt treffen werden. Dies kann nächste Woche sein, aber auch erst kurz vor dem Ende der Transferzeit - und dann werden wir den richtigen Spieler gefunden haben. Ob jung oder alt, ob Schweizer oder Ausländer, ob gekauft oder geliehen. Alles ist möglich.

Stephan Keller
«Er ist ein sehr interessanter Spieler mit guten physischen Anlagen und technischen Qualitäten. Wenn wir alle bei seiner Integration mithelfen, werden wir noch sehr viel Freude an ihm haben. Er ist ein echter Rohdiamant, den es zu schleifen gilt. Das ist ein hartes Stück Arbeit, aber es wird die Anstrengungen wert sein.»

Stephan Keller, über Allen Njie

Unser Saisonziel lautet «Rang 1 oder 2»…

Patrick Haller

Bekanntlich berechtigen nur diese zwei Plätze zum Aufstieg. Also wäre es Selbstbetrug, wenn wir tiefstapeln würden. Wir sind uns bewusst, dass viele Gegner dadurch extra motiviert sein werden. Viele Spieler sind in der Lage jemandem eins auszuwischen, doch nur die wenigsten sind fähig abzuliefern, wenn es wichtig ist. Auch hier wollen wir unsere Spieler weiterentwickeln. In der letzten Spielzeit waren wir als Fünfter punktgleich mit dem Tabellendritten. Wenn wir eine Verbesserung anstreben, gibt es nur Platz 1 und 2. Ich bin sehr froh, dass wir uns für eine klare Zielsetzung entschieden haben. Wir wissen, was von uns erwartet wird und ich bin gespannt, wie wir diese Herausforderung angehen werden.

Stephan Keller

Was sagst du zur Rückkehr der Fans in die Schweizer Stadien?

Patrick Haller

Einerseits bedauere ich es ausserordentlich, dass sich die Fankurven vorläufig auf einen Nicht-Besuch der Spiele verständigt haben. Andererseits freuen wir uns über alle Zuschauerinnen und Zuschauer, welche uns im Stadion unterstützen werden. Wir hoffen, dass sie bereits am morgigen Samstag gegen den FC Schaffhausen zahlreich erscheinen werden und uns mit viel Positivität und einem ehrlichen Support unterstützen werden. Wie wir auf dem Rasen bis zum Abpfiff alles geben werden, um einen ersten Sieg zu realisieren, hoffen wir natürlich, dass wir auch von den Zuschauerrängen bis zum Schluss nach vorne getrieben werden.

Stephan Keller
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Stephan Keller im Gespräch mit Allen Njie

Im Brügglifeld hat sich zuletzt einiges getan - so musste der Rasen saniert werden.

Patrick Haller

Anfangs hatte ich grosse Bedenken bei dieser Sanierung. Alle wissen, wie sehr ich den Rasen im Brügglifeld verehre. Wir holen dank einer engen Kooperation von allen Beteiligten und der fantastischen Arbeit - insbesondere dank unserem Platzwart Gil Hemmi - immer wieder das Maximum heraus. Es ist die positive Seite der starken Regenfälle in den vergangenen Wochen, dass sich unser sanierter Rasen nun in einem sensationellen Frühzustand befindet und meine kühnsten Erwartungen übertroffen hat.

Stephan Keller

Was hat sich in den altehrwürdigen Katakomben des Stadions verändert?

Patrick Haller

Bei meinem Amtsantritt hatte ich «ein paar Kübel Farbe» gefordert, um unsere Infrastruktur aufzuwerten. Nun muss ich mich beim Präsidenten und beim Sportchef bedanken, dann es ist definitiv etwas mehr geworden. Wir haben auch dank der tatkräftigen Unterstützung von einigen Fans wirkliche Verbesserungen herbeiführen können. Unser «Medical Room» wurde komplett umgebaut, auch die Kabine strahlt in den Clubfarben viel heller. Hier kann man sich als Spieler heimisch fühlen. Im Rahmen dieses Umbaus durften wir die KEBA-Katakomben für unsere tägliche Arbeit nutzen. Auf dem Ausseneisfeld können wir die relevanten Eigenkraft- und Stretchingübungen als Trainingsvorbereitung absolvieren. Überall wurden Entwicklungen vorangetrieben, um professionelle Bedingungen zu schaffen. Wenn man unsere Infrastruktur betrachtet, ist es vielleicht noch nie so attraktiv gewesen, ein Spieler des FC Aarau zu sein.

Stephan Keller
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