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Im Interview spricht Stefan Maierhofer (36) über «meisterliche» Bananenschnitten, seine Arbeit im Gastgewerbe und einen bissigen Gegenspieler.

«Ich wollte immer schon Fussballprofi werden», sagt Maierhofer, der den Traum auch nicht aufgab, als er mit 22 Jahren noch in der Landesliga spielte; sein unerschütterlicher Glaube an sich selbst sollte ihn schliesslich vom Wienerwald bis ins «Old Trafford» tragen. Dabei war Maierhofer als Junior nur für seinen Heimatverein SV Gablitz und den FC Tulln aktiv gewesen. Ein Wechsel in den Nachwuchs von Rapid Wien zerschlug sich aufgrund des hohen Engagements seiner Eltern im eigenen Gasthaus.

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Im Kampf um das Leder gegen den FC Lausanne-Sport

Auch Maierhofer selbst war früh im elterlichen Betrieb gefordert. Er absolvierte eine Ausbildung als Koch und Restaurantfachmann. «Meine Eltern wollten, dass ich einen ordentlichen Beruf erlerne», erklärt Maierhofer, der das Fussballspielen aufgrund der Arbeitsbelastung auf der idyllischen «Hochramalpe» zwischenzeitlich sogar aufgab. Im harten Alltag der Gastronomie sei er zur Persönlichkeit gereift. Aber: «Als Fussballer hast du das Privileg, den geilsten Beruf ausüben zu dürfen», ist Maierhofer überzeugt.

Gastronomie oder Fussballplatz?

Nach einem Abstecher zur «Vienna» etablierte sich Maierhofer beim SV Langenrohr als zuverlässiger Torschütze in der Viertklassigkeit. Allerdings wurde es immer herausfordernder, die unregelmässigen Arbeitszeiten im Gastgewerbe mit dem Fussball in Einklang zu bringen; seine Eltern drängten auf eine Entscheidung – Fussball oder Gasthaus? Also begann er die grossen Vereine per E-Mail anzuschreiben. «Eine Antwort habe ich nie erhalten», so Maierhofer.

«Vor der ersten Einheit fragte mich Trainer Hermann Gerland vor versammelter Mannschaft, ob ich mir die Schuhe zubinden könne.»

Stefan Maierhofer, über seine Anfänge in München

Mithilfe seines einstigen Juniorentrainers Erich Hausmann gelang es ihm jedoch, über einen Spielerberater zu einem Probetraining bei den Amateuren des FC Bayern München («Als Kind war ich schon Fan») zu kommen. «Vor der ersten Einheit fragte mich Trainer Hermann Gerland vor versammelter Mannschaft, ob ich mir die Schuhe zubinden könne», lacht Maierhofer. Er antwortete auf seine Weise – mit Leistung und Toren an der Seite von Akteuren wie Mats Hummels, Michael Rensing oder Sandro Wagner. Im zweiten Jahr kam Maierhofer nach der Vorbereitung mit der 1. Mannschaft sogar zu zwei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, während er bei den Amateuren unter dem knorrigen Übungsleiter Gerland zum Captain aufstieg. «Dies war das grösste Kompliment, welches er mir machen konnte», sagt Maierhofer über seinen einstigen Förderer.

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Maierhofer jubelt mit Teamkollege Miguel Peralta

Um seine Chancen auf eine Teilnahme an der Euro 2008 im eigenen Land zu erhöhen, entschied sich Maierhofer nach eineinhalb Jahren an der Säbener Strasse zu einem Transfer in die 2. Bundesliga – zuerst zur TuS Koblenz, dann zur SpVgg Greuther Fürth. Bei den Kleeblättern erhielt er den Spitznamen «Major» (abgeleitet von «Majorhofer»), weil es schon einen «Langen» und zwei Stefans im Team gab. Nach einer Verletzung zur Unzeit musste er sich in Fürth jedoch immer öfters mit der Reservistenrolle zufriedengeben, sodass das Angebot von Rapid Wien zum richtigen Zeitpunkt kam.

Im Alter von 25 Jahren wurde Maierhofer endlich in seiner Heimat «entdeckt». Es schloss sich ein Kreis. In Hütteldorf war er einst zur Hauptschule gegangen – mit Blick auf St. Hanappi, das Stadion von Rapid. Nun lief er für den Rekordmeister auf und schoss sich – aufgrund eines Nasenbeinbruchs mit Maske auflaufend – als «Phantom von Hütteldorf» mit zwei Derby-Toren gegen die Austria in die Herzen der Fans.

Heimliche Meistermacherin

Nur vier Tage später wurde der Tabellenführer aus Salzburg in einem Jahrhundertspiel auswärts mit 7:0 bezwungen – dank kulinarischer Unterstützung von Mama Maierhofer. «Auf der Hinfahrt haben wir uns mit ihren Bananenschnitten gestärkt», erinnert sich Maierhofer, der sich aufgrund seiner Zöliakie glutenfrei ernähren muss. Immer wieder naschten die Rapid-Spieler in der Folge vom süssen Backwerk und flogen dank einer Serie von acht Siegen zum bislang letzten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. «Das war die Initialzündung für meine Karriere», blickt Maierhofer zurück.

«Als Angreifer bist du immer auf deine Mitspieler angewiesen, die dich in Szene setzen.»

Stefan Maierhofer, über seine Rolle als Stürmer

Zur Teilnahme an der EM 2008 reichte es jedoch nicht. Im letzten Kaderschnitt wurde Maierhofer von Nationaltrainer «Pepi» Hickersberger gestrichen. «Erst viele Jahre später hat er mir gestanden, dass er im ersten Spiel nach 15 Minuten wusste, dass er einen Fehler gemacht habe …», erzählt Maierhofer, der die Farben seines Landes insgesamt 19 Mal vertreten durfte. Bei Rapid avancierte er mit Erwin «Jimmy» Hoffer zu einem der treffsichersten Sturmduos des Kontinents. In der Liga erzielten sie total 50 Tore, oftmals vom kongenialen Regisseur Steffen Hoffmann mit Zuspielen gefüttert. «Als Angreifer bist du immer auf deine Mitspieler angewiesen, die dich in Szene setzen», weiss Maierhofer.

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«Never give up!», passendes Motto für die Karriere

Dennoch beschloss er nach Beginn der Saison 2009/10 auf die Insel zu wechseln. Rund 1,8 Millionen Pfund zahlten die Wolverhampton Wanderers, um sich die Dienste des baumlangen Österreichers zu sichern. «Es war schon immer mein Ziel, in England zu spielen», so Maierhofer, «denn die Atmosphäre in den Stadien ist unglaublich.» Auch die körperbetonte Spielweise sollte ihm entgegenkommen, doch bei den «Wolves» hatte er – trotz eines Treffers beim Debüt – nie eine Chance, sich in mehreren Spielen nacheinander zu beweisen. Kurzzeitig wurde er an den Zweitligisten Bristol City verliehen, wo er nach einer Verletzung des Torhüters sogar zwischen den Pfosten aushelfen musste – und seinen Kasten sauber hielt. Dennoch möchte er diese Zeit in England nicht missen, weil «sie mich als Mensch geprägt hat», schliesslich habe er trotz wenigen Einsätzen gelernt, immer positiv zu bleiben.

Pokalfinale auf der Ersatzbank

In der darauffolgenden Spielzeit wurde der «Major» auf Leihbasis an den MSV Duisburg abgegeben, wo er mit den Zebras nicht nur in der 2. Bundesliga überzeugte, sondern im DFB-Pokal richtiggehend «explodierte» – mit vier Toren hatte Maierhofer einen grossen Anteil an der ersten Finalteilnahme der Meidericher seit 1998. Im Endspiel war er mit einem Mittelfussbruch aber zum Zuschauen gezwungen. «Das war sehr bitter. Ich habe alles versucht, um doch spielen zu können, doch die Schmerzen waren zu stark.» Von der Ersatzbank aus sah er, wie es eine 0:5-Niederlage gegen Schalke 04 absetzte.

«Es sind Dinge geschehen, die das Leben völlig umgekrempelt haben. Umso unpassender war der Umgang des Vereins mit mir»

Stefan Maierhofer, über seinen Abgang in Salzburg

Danach ging es zurück in die Heimat zu Red Bull Salzburg, wo Maierhofer eine perfekte Saison erlebte: Meistertitel, Cupsieg, Torschützenkönig. Dennoch landete er im zweiten Jahr aufgrund seines Alters auf dem Abstellgleis in der Mozartstadt. Auch privat durchlebte er dunkle Zeiten, als sein älterer Bruder verstarb. «Es sind Dinge geschehen, die das Leben völlig umgekrempelt haben. Umso unpassender war der Umgang des Vereins mit mir», sagt Maierhofer über seinen Abgang. Im Winter flüchtete er nach Köln. Er verzichtete auf viel Geld, unterzeichnete einen Vertrag bis zum Saisonende – glücklich wurde er nicht. «Ich habe aus meinen Fehlern gelernt», sagt Maierhofer, im Besitz eines Studienabschlusses in Event- und Sportmanagement.

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Sieben Treffer im FCA-Trikot - Servus, Major!

Als der Vertrag in Köln ausgelaufen war, blieb Maierhofer erstmals in seiner Karriere vereinslos – mehr als acht Monate lang. Also nutzte er die freie Zeit, um sich als Trainer weiterzubilden und das passende Angebot zur Fortsetzung seiner Karriere als Spieler abzuwarten. «Ich wollte mich nicht unter meinem Wert verkaufen», sagt Maierhofer. Kurz nach erfolgreicher Absolvierung der UEFA-B-Lizenz kam es zu einer Rückkehr nach England: Bei Millwall gelang ihm die «Great Escape», als sich der Club mit einem fulminanten Endspurt vor dem Abstieg rettete – immer wenn Maierhofer in der Startelf stand, blieben die «Lions» ungeschlagen.

  1. Einsätze

    Insgesamt lief der «Major» nach der Juniorenzeit für 17 Vereine (in fünf Ländern) auf. Am meisten Pflichtspiele absolvierte er für Rapid Wien (60), den SV Langenrohr und Red Bull Salzburg (je 53)

  1. Tore

    Beim SK Rapid überzeugte er mit einer Quote von 0,63 Toren pro Spiel. Einzig Hans Krankl, Zoran Stojadinovic und Robert Beric waren in der grün-weissen Historie noch treffsicherer. Beim FC Aarau liegt seine Quote aktuell sogar bei 0,70 Treffern pro Spiel.

  1. Titel

    Maierhofer feierte seinen ersten Meistertitel mit Rapid Wien (2008), gefolgt vom Double mit Red Bull Salzburg (2012, inklusive Torschützenkönig). Dieses wiederholte er 2016 mit dem slowakischen Verein AS Trencin.

Dass er ein Jahr später zu Millwall zurückfand, war der Beziehung zu Coach Ian Holloway zu verdanken. «Ein kranker Typ», lacht Maierhofer, «aber auch ein geiler Trainer mit viel Menschlichkeit.» Zu seinem Leidwesen wurde Holloway bald entlassen, sein Nachfolger sortierte alle Neuzugänge aus. Maierhofer schmorte auf der Ersatzbank, Millwall stieg ab. Zuvor war er vier Mal im Trikot des SC Wiener Neustadt aufgelaufen. Danach lobte ihn der Club für seine «positive Energie» und seine «Rolle als Motivator»; die legendär gewordene Nummer 39 solle nicht mehr vergeben werden.

Anekdoten aus dem Osten

In der Slowakei absolvierte Maierhofer zwar nur 13 Spiele für den AS Trencin, sammelte aber einige Anekdoten, die den Gewinn des Doubles in den Schatten stellten. Einmal versuchte ihn der zwielichtige Präsident des Ligarivalen Slovan Bratislava («In seiner Firma sind die Schiedsrichter angestellt») nach einer vermeintlichen Tätlichkeit mit einer langen Sperre (ohne Erfolg) aus dem Weg zu schaffen, später wurde Maierhofer in einem Spiel von einem Gegenspieler in die Brust gebissen – und sah selbst noch die gelbe Karte. «Das war eine kranke Aktion», erinnert sich Maierhofer.

«Es macht sehr viel Spass, jungen Talenten etwas mit­geben zu können.»

Stefan Maierhofer, über seine Trainererfahrungen

Vor seinem Wechsel aufs Brügglifeld stand Maierhofer beim SV Mattersburg unter Vertrag, wo er seine Trainerausbildung mit dem Erwerb der A-Lizenz vorantrieb, indem er auch als Nachwuchscoach in der «Fussballakademie Burgenland» tätig war. «Es macht sehr viel Spass, jungen Talenten etwas mit­geben zu können», so Maierhofer. Ausserdem sei es wichtig, einen Plan für die Zukunft zu haben, schliesslich «möchte ich weiterhin im Fussball arbeiten». Von einem Karriereende will er aber noch nichts wissen: «Das Gefühl als Gewinner vom Rasen zu gehen, motiviert mich immer weiter.»

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Stefan Maierhofer unterstützt die Aktion «Spielerpass»

Abseits des Spielfeldes engagiert sich Maierhofer für die gemeinnützige Aktion «Spielerpass», die die sportliche Betätigung von Personen mit besonderen Bedürfnissen unterstützt. «Es ist immer wieder schön, ihre lachenden Gesichter und die Begeisterung dieser Menschen zu sehen», sagt Maierhofer zu seinem Einsatz für die «Special Needs»-Teams in Österreich > Facebook-Seite von «Spielerpass»

Matchzeitung Nr. 10 (2018/19) lesen

Dieser Artikel ist am 7. Dezember 2018 in der Ausgabe Nr. 10 (Saison 2018/19) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Vaduz erschienen.

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