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Der Mittelfeldakteur Hansruedi Schär spielte in den 80er-Jahren für den FC Basel und den FC Aarau und bewahrt von beiden Vereinen schöne Erinnerungen.

Es gibt wohl keine andere Szene in der 120-jährigen Geschichte des FC Aarau, die mehr zitiert, über die mehr fabuliert und geschwärmt wird, als der Moment von Walter Iselins Traumtor beim einzigen Cupsieg vor 37 Jahren gegen Xamax. Es läuft die 86. Minute im Wankdorf: Einwurf von Karl Küng, der Ball kommt zu Walter Seiler, dieser spielt quer zu Walter Iselin. Der Mittelfeldspieler wird nicht angegriffen und trifft aus rund 30 Metern via Pfosteninnenkante ins Lattenkreuz zum 1:0.

Auch Hansruedi Schär kann sich natürlich an diesen Moment erinnern. Er war an diesem 27. Mai 1985 dabei. «Ich war in diese Szene nicht involviert, befand mich auf der anderen Seite des Feldes, aber natürlich werde ich dieses Tor von ‹Isi› nie vergessen. Der Treffer war buchstäblich die Erlösung. Wir waren am Ende unserer Kräfte, und ich weiss nicht, ob wir die Verlängerung erfolgreich überstanden hätten.»

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Schär (Zweiter von links) auf der Ehrenrunde im alten Wankdorf

Hansruedi Schär gehört zusammen mit Goalie Roberto Böckli, Rolf Osterwalder, Thomas Tschuppert und Charly Herberth zu den fünf Spielern, die auch 1989, beim bisher letzten Cupfinal des FCA, dabei waren. Das Endspiel ging gegen GC 1:2 verloren, und Schär sass während 90 Minuten auf der Bank. 1989 war die letzte Aktivsaison des Solothurners.

«10 Prozent der Ablösesumme erhielt ich. Mit dem Geld habe ich einen Alfa Romeo gekauft, denn ich brauchte jetzt ein Auto»

Hansruedi Schär, über den Wechsel zum FC Basel

Gute Erinnerungen hegt Schär auch an den heutigen Cupgegner FC Basel. 1977 wechselte er als 20-Jähriger für eine Ablösesumme von 70 000 Franken vom FC Oensingen zum FCB. «10 Prozent der Ablösesumme erhielt ich. Mit dem Geld habe ich einen Alfa Romeo gekauft, denn ich brauchte jetzt ein Auto», erinnert sich Schär lachend. In der Saison 1979/80 wurde der Oensinger mit dem FC Basel unter Trainer Helmut Benthaus Schweizer Meister, unter anderem mit Spielern wie Otto Demarmels, Jörg Stohler, Erni Maissen, Detlev Lauscher, Arthur von Wartburg oder Mac Tanner.

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Schär im Duell mit GC-Spieler Alain Sutter. Links: Thomas Tschuppert.

Und wer weiss, welche Richtung Schärs Karriere genommen hätte, wäre er nicht immer wieder durch schwere Verletzungen zurückgeworfen worden. Mit 22 Jahren erlitt er im linken Knie einen Kreuzbandriss, ein Jahr später seinen zweiten an selber Stelle, und mit 24 Jahren rissen die Bänder im rechten Knie.

Sein Abgang vom FC Basel mit dem Transfer zum FC Aarau im Oktober 1982 war auch seinen Verletzungen geschuldet. Denn in Basel wollten sie seinen Vertrag nicht verlängern. Der Wechsel ins Brügglifeld war für Schär indes kein Abstieg in die Provinz. «Ich bin ja Provinzler, ich stamme aus Oensingen. Für mich war der Wechsel zu Aarau ideal, denn ich wollte nach den Verletzungen wieder spielen. Ich konnte nicht einsehen, dass meine Karriere schon mit 25 Jahren zu Ende sein sollte.»

«Ich war ein Kämpfer, Haudegen, Wasserträger»

Das Bruderholzspital in Basel kenne er in- und auswendig. Wochenlang habe er dort gelegen. Und Schär spricht heute noch mit Hochachtung über den Spezialisten Dr. Werner Müller, zu dieser Zeit einer der führenden Ärzte in der Schweiz für diese Knieverletzungen. «Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich meine Fussball-Karriere fortsetzen konnte.»

Ob unter Trainer Helmut Benthaus in Basel oder unter Zvezdan Cebinac, Ottmar Hitzfeld, Hubert Kostka und Wolfgang Frank beim FC Aarau: Schärs hervorragende läuferischen Fähigkeiten und seinen Kampfgeist schätzten alle seine Trainer. War er fit, spielte er. «Ich war ein Kämpfer, ein Haudegen, ein Wasserträger», sagt er von sich. «In dieser Rolle habe ich für Konstanz gesorgt. Auf mich konnte man zählen. Für Fussballkünstler, die mit genialen Aktionen Spiele entscheiden können, ist es deutlich schwieriger, stets das angestrebte Niveau halten zu können. Oft war es meine Aufgabe, den gegnerischen Regisseur aus dem Spiel zu nehmen.»

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Hansruedi Schär bestritt 196 Spiele im FCA-Trikot.

Beim Ausdauertraining gehörte Schär stets zu den Besten. «Das war schon beim FC Basel so. In Sachen Ausdauer musste mir niemand etwas vormachen, in Sachen Fussballtechnik schon.» Schär sagt das mit der Gelassenheit eines 65-Jährigen. Seit August ist er in Rente. Seine Wohnung in Küttigen hat er verkauft, mit seiner Lebenspartnerin zog er ins Obergoms. Biken gehört zu seinen Hobbys. Jetzt, da er in eine Langlaufhochburg gezogen ist, will er sich auch noch auf die schmalen Bretter wagen. «Velofahren und Langlauf sind ideale Sportarten für meine lädierten Gelenke», sagt er.

«Ich kann mich kaum erinnern an ein Tor, das ich innerhalb des Strafraums erzielt habe.»

Hansruedi Schär, über seine Schussstärke

20 Tore hat Hansruedi Schär als Mittelfeldspieler in 196 Pflichtspielen für den FC Aarau erzielt. Die allermeisten mit Weitschüssen. Der Rechtsfüsser war bekannt für seinen harten Schuss. «Ich kann mich kaum erinnern an ein Tor, das ich innerhalb des Strafraums erzielt habe.» Der vielleicht spektakulärste Treffer gelang Schär in der Saison 1986/87 im Cup-Achtelfinal gegen den FC Wettingen. Spät in der Verlängerung erzielte er mit einem Freistoss das Siegtor zum 1:0, wobei er den Ball in der 117. Minute in die hohe Ecke wuchtete.

1989 beendete Schär mit 32 Jahren seine Karriere beim FC Aarau. Die Verschleisserscheinungen machten sich bemerkbar, nach Training und Spiel verspürte er oft Schmerzen. Der FCA bot ihm das Amt als Nachwuchstrainer an, im Nebenjob notabene. Fussballprofi war Schär nur während seiner Zeit beim FC Basel. Beim FCA arbeitete er Teilzeit, wie Osterwalder, Tschuppert und viele andere auch. Dank den Beziehungen des Vereins konnte er bei Möbel Pfister einsteigen, er machte seine berufliche Karriere als Büromöbel-Verkäufer.

Auch als Trainer Cupsieger

Als FCA-Nachwuchstrainer wurde Schär 1990 nochmals Cupsieger. Im Vorspiel zum Cup­final GC – Xamax schlug der Aarauer Nachwuchs den FC St. Gallen 4:1 im Wankdorf. Und in derselben Saison wurde der Aarauer Nachwuchs Schweizer Meister. «Es war eine geniale Zeit», schwärmt Schär. «Wir hatten einen riesigen Zusammenhalt und grosse Begeisterung in der Mannschaft. Auch die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Rolf Suter, der mich als Teambetreuer unterstützte, war super.»

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Schär wird von Ernst Lämmli verabschiedet

Ende der Saison 1989/90, als Trainer Wolfgang Frank ins Amt des Sportchefs wechselte, schien die FCA-Leitung auf ein neues Trainergespann mit Cheftrainer Charly Herberth und Assistent Hansruedi Schär zu tendieren. Präsident Ernst Lämmli entschied anders und machte Roger Wehrli zum Spielertrainer.

Ein bisschen enttäuscht seien sie schon gewesen, vor allem Charly Herberth, räumt Schär ein. Schär amtete dann noch zwei Jahre als Trainer beim SC Schöftland, bevor er seine berufliche Karriere vorantrieb.

Ins Brügglifeld zog es ihn in den letzten Jahren selten. «Ich treibe lieber selber Sport», meint er. Aber wer weiss, vielleicht taucht Hansruedi Schär heute Sonntag plötzlich im Brügglifeld auf, um seine beiden Vereine zu sehen, die sein Leben als Fussballer prägten und mit denen ihn viele schöne Erinnerungen verbinden.

Matchzeitung Nr. 5 (2022/23) lesen

Dieser Artikel ist am 18. September 2022 in der Ausgabe Nr. 5 (Saison 2022/23) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Basel erschienen.

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