Bild zu diesem Beitrag
Veröffentlicht am
von
Autor

Loris Benito und Silvan Widmer schafften es aus dem FCA-Nachwuchs bis in die Nationalmannschaft. Ist Yvan Alounga der nächste «Exportschlager»? Wir sprachen mit Sven Christ, Technischer Leiter des Team Aargau.

Werbung Schalten Sie Ihre Werbung auf dieser Seite.

Sven, in eurem Grossraumbüro fallen die grossformatigen Bilder ehemaliger Spieler des Team Aargau auf. Was sind die Kriterien, um einen Platz an dieser «Wall of Fame» zu erhalten?

Marcel Petermann

Mein Vorgänger als Technischer Leiter, Sascha Stauch, hatte vor knapp zehn Jahren diese Idee lanciert, die Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, welche mindestens zehn Pflichtspiele in der 1. Mannschaft des FC Aarau bestritten haben, mit diesen Portraits zu ehren. Wir haben die Kriterien inzwischen etwas verschärft, es müssen nun zehn Partien in der Startformation des FCA sein. Es ist noch freier Platz vorhanden und wir hoffen auf viele weitere Bilder.

Sven Christ

Eines der neusten Bilder ist jenes von Yvan Alounga, der letzte Woche in die Super League zum FC Luzern wechseln konnte. Was traust du ihm für seine weitere Karriere zu?

Marcel Petermann

Yvan bringt von seinem Potenzial her alles mit, um sich auch international durchsetzen zu können. Wenn er seine grossen Qualitäten wie Explosivität, Dynamik und Unbekümmertheit gewinnbringend einsetzen kann, könnte er der nächste Ex-Aarauer sein, dem eine grosse Karriere gelingt.

Sven Christ

Wie werden beim Team Aargau die Spieler nebst der Arbeit auf dem Platz auf den nächsten Schritt in den Profifussball vorbereitet, zum Beispiel im mentalen Bereich?

Marcel Petermann

Die Hauptarbeit findet klar auf dem Platz statt. Wir arbeiten jeweils Montag bis Mittwoch in Special Teams: Torhüter, Defensiv- und Offensivspieler trainieren mit ihren jeweiligen Spezialtrainern und dem Athletiktrainer, während der Chefcoach die Oberaufsicht hat. Einen Mentaltrainer haben wir nicht im Staff, aber einige Spieler arbeiten privat mit einem entsprechenden Coach zusammen. Wir sehen uns als Traumverwirklicher und zeigen den Jungen auf, was es braucht, um Erfolg zu haben. Bei Problemen im schulischen Bereich oder mit dem Arbeitgeber stehen wir beratend zur Seite. Auch sonst haben wir ein offenes Ohr, schätzen es aber weniger, wenn Eltern eine Stellungnahme einfordern, wenn ihr Sohn einmal zwei Spiele pausieren muss. Inzwischen ist es auch zur Normalität geworden, dass bereits 14-Jährige professionell beraten werden. Diese Entwicklung ist gefährlich und für Spieler in diesem Alter aus unserer Sicht kontraproduktiv.

Sven Christ
Bild zu diesem Beitrag

Bekannte Gesichter an der «Wall of Fame»

Der FC Aarau will – getreu seinem neuen Leitbild – seit dieser Saison noch konsequenter auf den eigenen Nachwuchs setzen. Inwiefern wirkt sich dies auf deine Arbeit und jene deines Trainerteams aus?

Marcel Petermann

In erster Linie findet ein intensiverer Austausch mit der 1. Mannschaft statt. Der Cheftrainer Stephan Keller will mehr Nachwuchsspieler in den Trainings sehen, um sich ein Bild über sie machen zu können. Das hängt auch damit zusammen, dass das FCA-Kader personell knapper bestückt ist als auch schon. Wir freuen uns natürlich über jeden, der den direkten Weg zum FC Aarau schafft, aber dies ist nicht unser prioritäres Ziel. Mit unseren Partnerteams FC Baden (1. Liga) und SC Zofingen (2. Liga inter) können wir unseren Nachwuchsspielern einen stufengerechten Einstieg in den Erwachsenenfussball anbieten. Wenn einer unserer Spieler für ein Testspiel oder gar einen Ernsteinsatz mal das Trikot des FC Aarau überstreifen darf, helfen wir ihm auch, das Ganze richtig einzuordnen und ihn zu motivieren, damit er sich durch gute Leistungen in jedem Training für weitere Aufgebote aufdrängt.

Sven Christ

Sowohl die U-18 als auch die U-16 sind nach sechs Spieltagen in der nationalen Elite im vorderen Mittelfeld klassiert. Was sind die Zielsetzungen für diese Saison?

Marcel Petermann

Besonders erfreulich ist momentan, dass die U-15 mit Trainer Juan Pablo Garat auf Rang 1 steht! Bei der U-18 ist unser Ziel, in der Elite-Liga zu verbleiben. Corona-bedingt dürften dort fünf Spieler im U-19-Alter ein­gesetzt werden, worauf wir aber verzichten. Ohnehin ist unsere Devise: Wenn zwei Spieler gleich gut sind, kommt der jüngere zum Einsatz. Bei der U-16 geht es auch noch da­rum, Spieler auf der einen oder anderen Position auszuprobieren. Wir haben beim Team Aargau von einer 3er-Abwehr auf eine Viererkette umgestellt, damit wir da eine Angleichung an die 1. Mannschaft haben. Unsere Philosophie sieht vor, den Gegner zu überraschen und einen Powerfussball nach dem Vorbild des FC Liverpool zu spielen.

Sven Christ

Was sind momentan die grössten Herausforderungen, mit denen du dich konfrontiert siehst?

Marcel Petermann

Nach wie vor ist die Infrastruktur ein grosses Problem. Mit nur einem Kunstrasenplatz in Aarau und ohne Beleuchtung auf den Rasenfeldern im Schachen spitzt sich die Situation in diesen Jahreszeiten wieder zu. Wir wünschten uns da mehr Unterstützung vonseiten der Stadt, auch was den Unterhalt der Anlagen betrifft. Wir versuchen einfach, das Beste aus unseren Möglichkeiten herauszuholen. Das Resultat darf sich jedenfalls sehen lassen!

Sven Christ

Matchzeitung Nr. 3 (2020/21) lesen

Dieser Artikel ist am 3. Oktober 2020 in der Ausgabe Nr. 3 (Saison 2020/21) der Matchzeitung HEIMSPIEL gegen den FC Chiasso erschienen.

«HEIMSPIEL Nr. 3» auf Issuu ansehen

Kategorie